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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

Aufarbeitung ist ein steiniger Weg (1)

Heideweg 

Eines verbindet Journalisten ungemein. Sie archivieren in Häufchen, die sich am Arbeitsplatz oder auf möglichst „greifbaren” Unterschränken und Regalen bilden - und natürlich wachsen. Sie werden größer und schwerer. Die Putzfrauen stöhnen, rebellieren und weigern sich bisweilen. Mit Charme lenkt man ein - und ab. Da lagern Fotos, Manuskripte, unwichtige und doch nicht ganz unbedeutende Schreiben - und natürlich Extravagantes aller Art. Alles beieinander und greifbar - aber nicht nur in Redaktionsräumen.

Das Positive, nämlich den Überblick zu behalten und alles schnellstens finden zu können, lag immer klar auf der Hand. Außenstehende allerdings, und dazu gehörte meine damalige Freundin wegen des fehlenden Überblickes auch, sahen es anders. Duldsam wie ich bin, ließ ich sie in dem Glauben und erfreute mich immer an den gehorteten Blättern, Broschüren, Magazinen und Fotos. Was für ein Wissenspotiential - reif und abgelagert - bunt verschmissen und beinahe auf DIN-Format gebracht. Ein Segen - und das auf einem Quadratmeter. Allein deshalb bleibt das Positive unumstritten.

Natürlich hatten diese Podeste noch andere Vorteile. Der Aschenbecher verschwand aus den Hantierbereichen des Arbeitsplatzes und stand immer auf dem ganz aktuellen Vorarchiv, während der Klüngelkram außer Reichweite blieb. So wurde endlich ein Regalbrett frei. Dieses Plätzchen teilten sich die schon vorsortierten Fotos mit dem Kleinkram, der irgendwann wieder in Schubladen landen sollte. - Als eines schönen Tages der Kaffeetopf auf dem Fensterbrett stand, weshalb ihre Topfpflanzen notgedrungen etwas mehr zur Seite……..(”na, nun macht schon”)…. - da lief irgendwo ein Fass über und ich musste mich Hals über Kopf auf dieses Dilemma konzentrieren. „Aufstände” bringen alles durcheinander.

Einige Tage später ging sie - aber nicht wegen meiner kleinen Stapel. Ihr Stapel war wieder umgefallen. Es geht um die architektonische Sensation schlechthin. Eine tragende Säule wuppt da immer ein Ganzes. Eine Wand läuft, sofern überhaupt gezogen, nahtlos durch die andere. Alles luftig gehalten. Eine Art Kartenhaus. Mauerwerk kann….muss aber nicht.

Sie wollte alles möglichst alleine tragen - ließ sich nur selten forttragen. Sie brach auch schon mal zusammen und bekam immer noch eine Hand an die Säule, die aber urplötzlich immer mal wieder allein dastand - ohne Haus. Tägliches Halt-Suchen, das von außen kaum zu erkennen ist. - Sie ist Missbrauchsopfer.

Eingezäunte Sonne 

Missbrauchsopfer bauen selten auf Fundamente auf - mögen sie nicht. Wenn sie doch gegossen werden - und das geht immer ruckzuck - dann mit der Mischung aus Euphorie und zierlicher Zuversicht. Keine Deckenbalken. Keine Haustür. Es würde zu viel sein, was auf den Kopf fällt - und Fluchtwege sind immer freizuhalten. Missbrauchsopfer sind findig und unnachahmlich. Sie bauen ständig und fangen entweder ganz unten oder sofort ganz oben an.

Außerdem bezeichnen sie sich als mustergültige Siedler und lieben Sonne und Regen abgöttisch. Die Tränen werden getrocknet oder sie bleiben unentdeckt. - Hilfe anbieten darf man immer, aber es ist fraglich, ob sie auch zum Zuge kommen kann - dass sie überhaupt angenommen wird. Gestammelte Bitten können schon morgen in einer Lade verschwunden sein, die der „Ablage 17″ ähnelt.

Die Funkstille hatte uns also wieder einmal eingeholt. - Die „Feindlage” oder der Grad der Zerrissenheit bestimmen immer, wie lange der Tiger im Käfig bleiben muss und ob der Spatz auf dem Dach wieder heimisch wird. - Nach vier Tagen der Tränen-Anruf. Man war dankbar, wenn sich ihr „schlauchendes” Schluchzen an einigen gestammelten Worten festklammerte und ich konnte dann einzig zuhören. Ein stundenlanges Auf und Ab, wo das Überhören wichtig wird und das Gehörte in die Stille geschoben wird. Eine Frage von ihr war dann wie ein Geschenk - und ein gequältes, überdrehtes Lachen lief sich tot.

Bis zum zweiten Anruf können dann Tage oder Wochen vergehen. Bei uns war es jedenfalls so. Anfangs ließ ich mich einmal hinreißen und griff selbst zum Hörer. Ich erfuhr eigentlich gar nichts und kam mir wie ein Niemand vor. Da tritt man voll in eine Pfütze von Abneigung - badet mit Sticheleien oder im hämischen Lachen. Probleme? - Welche Probleme?

Schließlich folgt dann (nein, nicht umgehend) ein Anruf, wo man sich wegen der Stimme fragt, wie sie so viel Weichspüler auf einmal schlucken konnte. Dann „ist man wieder Wer” und wird damit überrannt, dass man ja alles versteht (SIE versteht). - „Weißt du noch….?” - Gleichklang bis ins kleinste Gefühls-Kämmerlein am Abend und ein sich lang hinziehender Abschied am frühen Morgen. - Gerädert war ich dann immer nur deshalb, weil das „Dumm-Dastehen” damit nicht beendet war. Zunächst war das Fühlen von Harmonie und Gleichklang aber tonangebend.

Dann rief sie (später, viel später) an und läutete eine Art „Flackerphase” ein, die sich immer sehr deftig-heftig anhörte. Da gilt es wieder, zwischen den Worten zu „lesen”, weil es (wiederum später) sehr wichtig werden konnte. Dann sprach sie davon, dass es für mich „einfach nur die Hölle” sein wird, wenn wir weiter……!

Kein weiteres Wort über unsere Beziehung. - Beziehungsweise…..von dem Heer der Fragezeichen.

(Folgt Teil 2)

© Mondreiter

Aufarbeitung ist ein….. (2) — “Rückblick”

Ich muss kurz darauf zurückkommen, was vor dieser „Flackerphase” war - und was das Danach begleitete.

Was uns vom ersten Augenblick an begleitete, was mich erstaunte und sie gleichermaßen verunsicherte, das war zweifellos, dass ich sie „lesen” konnte. Zunächst noch holperig, dann fließend - das Buch lag ständig geöffnet vor mir. Immer kam erschwerend hinzu, dass ein ganzer Wust, ein ganzer Stapel von Fragezeichen dieses Buch gleichzeitig zu verdecken schien.

So, als gäbe es ihre Gefühle, Zweifel, Verzweiflung und die Hilflosigkeit - alles auf Schreibpapier gedruckt. Dieser Stapel wurde noch beschwert durch ihren „Leitfaden”, der ihr immer Schutz, Abwehr und Flucht ermöglichte - aber auch die Vorstöße, ein Vorangehen mit Deckmänteln als perfekte Tarnung.

Sie lesen 

Dieses Gefühl, sie „lesen” zu können, kommt einem Kurzflug mit einem kleinen Flieger gleich. Dieses schnelle Beschleunigen - den Hebel ganz durchgedrückt, dann abheben, aufsteigen und auf die gewünschte Höhe kommen. Dann stellt sich eine leicht tanzende Balance ein und der Gashebel kann zurückgenommen werden. Das Genießen stellt sich ein. Später dann ein Moment, der „schön schwindelig” macht und an das Erleben in der Achterbahn erinnert. Absenken der Nase, mittlerer Sturzflug und Abfangen mit Ruder und Motorkraft.

Für den Tag bemühte sie mit schöner Regelmäßigkeit einen schützenden Ausspruch: „Mich versteht eh keiner - bemüht euch nicht - und Tschüß!” Das steckte auch in jedem scheinbar unbeschwerten Lachen und in ihren Augen. Abends zerfledderte sie ihre enorme Kreativität oder suchte ganz neue Ansatzpunkte dafür - lief sich in der Wohnung die Füße wund oder war auf Pendeltour zwischen PC und Fernseher. Schlaf suchen und finden - das war immer so, als ginge es partout darum um ein kurioses Projekt zum Erfolg zu bringen - das Auffinden von zwei verschieden großen Latschen nämlich.

War ich mal bei mir daheim, rief sie in der Nacht an. Es war schön mit ihr zu sprechen, aber immer „beackerte” sie auch alles, was unsere Verbindung anging und immer war es so, dass ich einer gewissen Rolle gerecht werden sollte (musste). Die erste Aufgabe für mich, und das war für sie dann tatsächlich wie eine Art Begleiterscheinung dieses berühmten Kribbelns im Bauch: Sagt er, was gerade mit mir ist - findet er es hinter einer manchmal sogar geheuchelten Weichstimme heraus, die mit wenigen Worten „Fangeball” spielt?

„He, ich will endlich schlafen, lös das endlich für mich auf”, schien sie zu flüstern. - Ich kam mir vor wie jemand, der sofort „den” Draht finden musste, der Schuld daran ist, dass Strom nicht fließen lässt. Suchen, damit sie zur Ruhe kommen konnte.

Aber: Liebe macht aus einer Lieferung von Riesenpaketen immer ein beschwingtes Verteilen von Päckchen.

Die gewonnene Harmonie war am folgenden Tag abzulesen und schlug sich an einem der nächsten Abende, bedingt durch unsere räumliche Distanz über die Werktage, auch darin nieder, dass Telefongespräche (selten vor 23 Uhr) mit Bildern von Palmenstrand, Honigmond und echtem Lachen abgefüllt waren. Sie las aus diesem Buch und ich hörte viel zu - erwarb damit den Beinahe-Meister-Grad. Sie war in der Lage, alles in ein Silberband von Mondstrahlen zu legen, die auf dem Wasser zueinander gefunden hatten. Den „springenden Punkt” gab es zum Nachtisch. Zwischendurch war sie mit viel Akribie unterwegs, diesen Punkt nur nicht früh anzuschneiden.

Du weißt doch…”, gebrauchte sie dann oft - und verriet mir, wie sie alles sah. Ich selbst hatte dies auch oft festgestellt: „Du kannst erraten, was ich denke und sprichst es auch aus.” - Wenn ich dann antwortete: „Ja, ich weiß”, dann schlich sich jeweils eine sehr lange Pause ein. Mit diesem Aussprechen und den Pausen tat sie mir einen großen Gefallen. Wie oft hatte ich mir manchmal auch die Frage gestellt, ob ich es tatsächlich auch wieder geschafft hatte, bloß nicht zu interpretieren. - Dann wäre es ein „Irrweg” für beide geworden - und sie hätte es noch schwerer gehabt.

Es ist eine verlockende, große Gefahr,  s o  nach „Auflösung” zu suchen.

Und: Es ist ein langer dornenreicher Weg, der zu IHR führen kann - könnte. Nach Garantien dafür zu suchen hieße allerdings,  Eulen nach…..na, Sie wissen schon!

© Mondreiter

Nah bei uns

Kornfeld 

Liegt im Tanz der Ährenwogen
alles Lächeln deiner Augen
liegt im Sonnenspiel der Wolken
viel vom Lachen deines Mundes

Nah am Bach ruft mich die Wärme
deine Hand und heiße Stirn
aller Glanz in deiner Stimme
Traumestanz und viel Verlangen

Blätterspiel in langen Schatten
Harmonie in deinem Gang
Wangenfreude überschäumend
sehnen uns nach Sonnensand

Bilderflimmern - tiefe Strahlen
sehnsuchtsvolles, rotes Meer
Tanzen in den matten Farben
eng verbunden - können malen

Weidenducken - Mondesfieber
Nebel träumt - ein dünnes Laken
Sinnestanz und Abendruh -
sei bei mir und deck mich zu

© Mondreiter

“Du bist da!”

Regenbogen 

„Du bist da!” - Schnell beförderte ich den Satz, der als Gedanke auf mich zuflog, mir also nicht als freudiger Ausruf des Erstaunens entfuhr, in eine Warteschleife. Der Computer offeriert dafür das nüchterne Angebot, den Text in die Aufgabenleiste rutschen zu lassen. Er ruht - ich „brenne”. Warum war er plötzlich da, dieser emotionalen Donnerschlag? - So beginnen häufig meine textlichen Abenteuer. Wohin führt es mich diesmal? Was geht da ab, was deutet sich da an, was soll das? Was versucht sich da einzubohren, reinzudrängen, einzuklinken, einzufädeln und auszubreiten? Warum das Ganze, beinahe wie aus heiterem Himmel? - Nun weiß ich schon sehr gut, was es bei mir auslösen kann. Warum schrieb ich ihn gerade in dem Augenblick, als ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigte? Unwichtig. Er hat mich inspiriert.  

Ich bin ein Läufer, ein Springer - jemand, der das spontane Tastenspiel liebt und sich von der nun schlafenden, aber immer noch präsenten Schreibmaschine an den PC verschlagen ließ. Ein Wort, etwas Musik, ein Satz - es genügt, um den Sprung ins Wasser zu wagen. Immer begleitet mich eine wohltuende Ungewissheit und unbändige Neugier.

Die Gier nach Neuem, auch nach abrupt „einfliegenden” Ansätzen, ist unbeschreiblich schön. Starten, „kreisende” Puzzleteile entdecken und um ein vages Ziel wissen. Kommt es anders (und das geschieht sehr oft) wirkt das Ganze wie das flitzende Aufblättern eines Fotos nach dem „Klick” - unbeschreiblich und „mächtig gewaltig”.     

Ich kann nur wenig damit anfangen, über Gedanken und Formulierungen zu brüten, die irgendwann einmal mit Text auferstehen. Es ginge mir dabei zu viel verloren. „Mit der Distanz” wächst keine Frische. -  Ich würde etwas lesen, dass sich von den Gefühlen und Gedanken längst entfernt hätte, die mich damals begleiteten. Es lässt sich nicht alles wachrufen und zurückholen. Selbst wenn ich an einem Romanscript „sitzen” würde, wäre es nur unwesentlich anders.   

Ich lasse nicht reifen - ich feile nur. „Gestochen scharf” ist für mich immer ein Wort, das ich beim Fotografieren intus haben muss - und an kritischen, wachen Betrachtern schätze. Jonglieren ist spannend und schärft die Sinne. Dagegen ist ein gestochen „aufgefüllter ” Text in meinen Augen ein versessenes Heischen. Wie ein Griff in die Trickkiste des Programms zur Bild-Bearbeitung. Ein starker Klang und ein Glanz, aber auch ein Völlegefühl - wie ein hakender Sprachfilm oder wie Stocksteife im weichen Sand.   

Gleich bin ich sicher gelandet. Tom Petty empfängt mich mit „Learning To Fly”. Vorbei das Schweben - nur noch ein Gleiten und Auslaufen. - Ja, er hat Recht: „Coming down is the hardest thing”. Hat sich zwischenzeitlich etwas ereignet? - Mich fröstelt, überwiegend an den Oberarmen, und mein Hund döst noch. Ein gutes Zeichen.    

Es ist alles gesagt: „Du bist da!”

© Mondreiter

Schau in die Nacht raus…..

Abendruh`

Nachtgedanken stehen auf - zeichnen fleißig ihre Bilder
Ruhe legt die Fesseln ab - gleitet fließend übers Land
Nuancen gehen streichelnd um und träumen umso wilder
berühren wie die heiße Hand

Lichterhimmel strahlend schwach sorgt für wärmendes Verlangen
Tief im Dunkel stumm und still lebt das Bad der leisen Schauer
Schattenbilder schwankend schön küssen wiegend sich die Wangen
alles schweigend und von Dauer

Wind ergötzt sich hauchend schwach an robuster Zierlichkeit
Schemen leben Wechselspiel und den Tanz im fahlen Licht
Dunst lebt auf im tiefen Grund - alle Sinne schnell befreit
beschenken uns mit neuer Sicht

Büsche setzen blasse Flecken - Weiden rufen Traumgestalten
Wipfel raunen geisternd leise durch des Waldes Zauberkreis
Farbverlangen sanft behütet flieht in Mondeslicht verhalten
Schwarzgestalten wankend leis

© Mondreiter

nachtwach am fenster

Mondlicht

der mond zeichnet mattweiß
es scheint nichts in bewegung
wie ein strom von erregung
streichelt frösteln die haut

in schleiern von wolken
baden tiefschwarze blätter
in schwankenden schatten

lebt umarmen und ruh`n

nur ein lautloses gleiten
weich ist alles gebettet

harmonie will mich leiten
keine fragen zu wecken

©Mondreiter

So sind sie eben - DIESE Tage

Spatz Landung 

Selbst wenn ich es nur zu mir selbst sage, glaube ich absolut nicht daran, dass manche Tage wie im Fluge vergehen. Alles, was zur flüchtigen Konversation gehört, klebt wie der Abendnebel über Feuchtwiesen und beleuchtet dürftig. Es kommt uns dann so vor, als würden wir uns nur mit wenigen Dingen intensiv beschäftigen und jeder Blick auf die Uhr erinnert an unsere Blicke zur Seite, aus dem Fenster, wenn wir schnell unterwegs sind und nur Huschen erhaschen. An solchen Tagen könnten wir uns zigmal dabei ertappen, wie wir irgendwelchen Dingen nachhängen. 

Auch an solchen Tagen gibt es viel zu tun und es wird auch alles in Angriff genommen, was nach meinem Dafürhalten erledigt werden soll, aber ich lasse mich ständig sehr spät ins Bett fallen und wache mit dem Gefühl des Vortages wieder auf, dass einfach gar nichts dazu angetan ist, um es mit einem Anflug von Verzückung „Highlight” zu nennen. Ereifern kann ich mich schon - kann auch allerlei Missstände um mich herum beschimpfen, das auch. Warum nenne ich eigentlich Ereignisse nicht einfach Höhepunkt? - Ja, warum eigentlich? Ich merke schon wieder, dass es alles wieder viel zu weit führt.

Damit mich keiner falsch versteht: Es geht nicht darum, dass sich Tage fleißig aneinander reihen und mir „verquer” (ach, ist das ein herrliches Wort) im Magen liegen und das Oberstübchen vernebeln oder verrammeln, so dass Mancher spontan an Worte denkt, die mit „De” beginnen. So etwas wie Destabilisierung, Demontage, destruktiv oder De….nein, das ist doch etwas zu greulich. Nein, da presst nix - aber es passiert nichts von dem, was entzündet.

Es sind die Tage, die ich mit einer eigenen Gewichtigkeit - also der typischen Mondreiter-Abwägung - schlicht und einfach „Die fließenden Tage” nenne. Nicht mehr und nicht weniger. Kreative Nachschubtage vielleicht, Stunden voller Leichtigkeit - aber ohne das gewisse Etwas, das bei mir „da drinnen” für Unordnung sorgt.

Abspulen, was im Alltag abrollt, viele Dinge ordnen und zum Laufen anhalten - und sich manchmal auch nur davonstehlen. Ich lasse einfach etwas ruhen und vergleiche es mit dem Metzgermeister, der kurz die Tür zur Räucherkammer öffnet (gibt es heut` eher selten, gell) und die strammen Schinken begutachtet, wie sie in dem schwebend-schwelenden Rauch langsam verführerische Farbe annehmen. Appetithappen suchen, aber nicht vernaschen.

Spatzen 

Ich bin also munter, aufgeweckt, guter Dinge - quäle mir kein Lächeln ab oder sehe mich in irgendeinem Fahrwasser, das Irgendwer oder Irgendwas für mich hat einlaufen lassen, damit ich mich darin haarsträubend austobe und abstrample. - Nein, nein , nein…..es geht mir gut in diesen Tagen. Ich lasse sie nur einfach so verstreichen und erteile mir Schreibverbot. Und es ist gut so.

Es geht mir so, als wenn ich gerade über eine politische Schweinerei nachdenke und der Gedanke daran, dass dies alles in diesem, unserem Lande möglich ist…der Gedanke also bildlich vor mir steht. Wie eingewecktes Obst oder Saft darauf wartet, dass man ihn in die „Warteschleife Speisekammer” schickt. - Ich fühle mich also behutsam in den Tag gesetzt und verschiebe „brennend”.  

Dann bin ich wie ein Schwamm. Manchmal. Sauge einfach alles auf und glaube an die Auferstehung der Berieselung. Eine wunderbare Dusche - genau die richtige Wasserwärme. - Man merkt schon, dass es gewaltig, mächtig gewaltig brodelt. Merkte man das? Gut, dann bin ich auf dem richtigen Weg. - Ein Beispiel gefällig?

Na, aber heut` nicht mehr, Es ist jetzt 2.37 Uhr und ich habe gerade die Heizung abgedreht, weil die Nachtabsenkung den Heizkörper eh nicht mehr knallig heiß werden lässt und nur das Portemonnaie schröpfen würde. Herr und Hund ruhen gleich und werden die noch junge, neue Woche behaglich ratzelnd auf sich zukommen lassen. - Morgen früh, wenn…….ach, da gibt es auch so ein schnuckeliges Kinder-Schlaflied…..morgen früh, wenn Gott will…..wird uns der Wecker schon einen neuen Takt vorgeben. Auch Nüchternheit ist programmierbar…. selbst digital…..wie auch immer.

Nun sind wir wieder hellwach und gerade aus dem Park zurück, der zu zwei Dritteln von einem Kinderspielplatz eingenommen wird. Wir schlenderten also über einen Park-Randstreifen und fühlten uns nicht wirklich wohl. - Ach ja, ich bin noch ein Beispiel dafür schuldig, was an solchen Schwamm-Tagen auf mich zufliegt und erst einmal nur bleibt.

Vor einigen Tagen sah ich morgens aus dem Küchenfenster, weil es auf dem Hinterhof ungewohnt ruhig, nein, absolut still war. Lang anhaltend. Ich öffnete das Fenster. Ein herrlicher Oktobertag.  Es waren nur wenige, laue und angenehme Lüftchen unterwegs. Leise brabbelnde Motorengeräusche in der Ferne. Ich schien der Einzige zu sein, der den Ausblick genoss, hinunter sah und auch den üppig gedeihenden und mit leuchtendroten Früchten überladenen Vogelbeerbaum hinter dem Hof bewunderte.

Ich wollte das Fenster gerade wieder schließen, als ich ihn bemerkte. Ich sah nur seinen halber Körper, der im Gegenlicht dunkel blieb - wie ein schwarzer, aufgeplusterter Kloß hinter der Windfeder des Dachgiebels verharrte. Der kleine Kopf ständig in Bewegung. Wenn er unmittelbar vor sich nach unten sah - und das geschah sehr oft, machte er den Eindruck eines Zaungastes, wie er im Buche steht. Wie ein neugieriger kleiner Geselle, der mit Blicken eine Welt erobern will.

Er machte keine Anstalten, seinen Logenplatz aufgeben zu wollen und fort zu fliegen. Er schien mir zufrieden, ausgeglichen, nicht übellaunig - eher neugierig-heiter. Es passierte also wieder einmal, dass jemand einen Anderen, der gar nichts dazutat, nur wegen einiger, flüchtig erhaschter Details einschätzte und von seiner eigenen Stimmungslage ausging. Putzig das Ganze. Putzig wie dieser Tag.

© Mondreiter                

“Lassen wir es damit genug sein”

Was lassen Politiker nicht alles mit sich machen. Was lassen sie zu, was nicht - und was lassen sie nicht alles über sich ergehen!? Warum lassen sie sich das alles gefallen - warum fallen sie selten und lassen stolpern? Warum lassen sie auf ihre „Basis” auch im Beinahe-Loslassen nichts kommen, wie sie dann natürlich von dieser nicht fallen gelassen werden?

DeutschBrillen 
Mehr gute Brillen braucht dieses Land.

Sie lassen viele Dinge machen und lassen etliche  Unschulds-Bäder vollaufen. Sie scheuen nicht, sich baden zu lassen und lassen Fünfe gerade sein. Jeder lässt jeden machen, solange immer alle wissen, was sie lassen müssen - was sie hätten lassen müssen - worauf sie sich einlassen - wer sie letztlich lässt und belässt.

Einsicht, Reue und Unterwürfigkeit lassen gegebenenfalls zu, dass im Hochleben-Lassen und mit dem Aufrechnen des Unterlassens nichts dem Zufall überlassen wird und man irgendwann wieder „gelassen wird”. Sie können niemals, auf keinen Fall und unter keinen Umständen etwas zulassen, was sich gegen ihren Strich stellen lässt. Gelassen bleiben, Eckpunkte nicht verlassen - bisweilen mal alle guten Geister verlassen - bloß nicht den Sessel loslassen - und fortan, kränkelnd-gelassen, die Kirche im Dorf lassen.

Verlassen wird niemand, der verlässlich ist. Verlässt die Farbe auch das Gesicht und mancher Parteifreund den „Zug”, so lässt es der Fahrplan ganz sicher wieder zu, dass man ihn irgendwann „dort” wieder lässt, wo man entweder keinen anderen lassen wollte - oder wo man es noch zulassen kann, dass er sich wieder auslässt. Was ist mit der „gelassenen Unterlassung” - in solchem, diesem, jenem und….in anderen Fällen?

„Na, lasst mal….!”

Kann man zulassen, dass Spatzen auf den Dächern beim Pfeifen in Ruhe gelassen - dort belassen werden? Sie sind nicht zugträchtig und müssen demnach beim Hinter-Sich-Lassen nicht andere pfeifen lassen. Lasst das nicht außer Acht. Schließlich: Was richtet Aderlass ohn` Unterlass an?

Lassen wir es so ruhen - lassen wir es damit genug sein. Irgendwann lassen wir für uns selbst wieder zu, uns daran zu erinnern.

© Mondreiter