Unauslöschliche Momente lassen sich nicht wegschließen, aussperren, ausradieren oder in Schubladen legen. Sie sind angenehm hartnäckige Begleiter oder sie holen uns ein, wann immer sie wollen - und schleifen oder reißen uns mit. Einmal wachgerufen, rütteln sie uns wach - und dann vielleicht auch ganz ordentlich durch; machen uns aber auch weich und „atemlos” oder legen sich vielleicht wie die Morgenkühle, wie Balsam, auf die Stirn.
So oder so: Sie sind immerfort “mit uns” und gehören zu unserem Rüstzeug für das Leben, nach dem Erleben - sind oftmals Einzelgänger, und schreien uns an oder flüstern uns zu. Und dann - ja, dann tauchen sie in ein und demselben Gedanken-Puzzlespiel für diesen einen Bruchteil unseres Lebens wieder wie eine kleine, schnatternde Comic-Rasselbande auf und überschwemmen uns mit Reizen aller Art.
Verdrängte, nicht verarbeitete Momente sind wie Kletten oder lustige, grellbunte Springbälle und wollen uns in ein lauschig-warmes Heim tragen - oder uns nochmals piesacken und mit Giftpfeilen oder Spitznadeln malträtieren, Narben aufreißen oder Schorf abkratzen. Sie sind Blutsauger, Schmeißfliegen oder schillernde Schmetterlinge.
Was sie für uns tatsächlich sind und bleiben, welchen Stellenwert sie haben und wie sie sich nach vielen Jahren anfühlen - dieses ehrliche Werten übernimmt in vielen Fällen unser Unterbewusstsein. Schmerzhaft wird die Rückbesinnung immer dann, wenn wir zu kaschieren, zuzudecken versuchen - wenn wir einen Mantel über etwas ausbreiten wollen, was einfach sichtbar und unverfälscht bleiben muss und nicht verkramt werden sollte.
Wenn wir auch entdecken, dass mit dem Erinnern an besondere Momente immer Bilder und Gefühle auferstehen, die mit der Distanz oft weicher gezeichnet und musikunterlegt scheinen, sich wie geschmeidig schwingendes, feinhaariges Wassergras dem Unterwasser-Tanz von Bewegung und Verwirbelung hingeben und pure Ästhetik aufstehen lassen; so ist nicht alles angenehm und ruhig fließend.
Denn immer gab es auch diese Steine, die nicht nur auf das Wasser schlugen. So laut, so hart und so schmerzhaft, von Vibration und Schmerz begleitet, als wäre etwas gegen die Wand gefahren worden, als hätten sich eiserne Torflügel den Launen von unberechenbaren Sturmböen hingeben müssen; hätten den gesamten Spielraum ihrer Aufhängung ausschwingen können und wären, irgendwann oder kurz darauf, Schloss gegen Schließblech, aufeinander getroffen; beinahe der Wucht des Momentes zum Opfer gefallen. - Es gab diese Momente, wo man völlig hilflos war; als wenn ein Stahlstift niedersaust und hartkalt lächelnd eine Münze prägt.
Weißt du noch - damals….? - Alle wach gerufenen oder urplötzlich auf uns einbrechenden Stationen unseres Lebens werden von den Beteiligten fast immer anders gesehen, gefühlt und erlebt. Wenn wir Glück haben und davon zehren, ist immer eine gewaltige Portion Harmonie im Spiel.
Achten wir darauf, dass wir mit dem Erinnern nicht die vagen Vermutungen der „Euphorie des Augenblicks” in den Rachen schmeißen und zu Buschtrommlern werden. Es wäre ein Moment zum Abgewöhnen.
© Mondreiter
Geschrieben am 20. Februar 2008 von Mondreiter
Kategorie: augenblicke

Lieber Mondreiter,
sehr anschaulich geschrieben! Es gab sogar ein Gänsehautgefühl bei der Vorstellung dieser eisernen Torflügel.
Wahre Worte schön rüber gebracht!
..es grüßt die syntaxia