Rangierbahnhöfe sind faszinierend wie das Leben. Diese breiten Gleisstränge, diese unübersehbaren Signale - welche Ordnung, welch geniale Weichenstellungen, alles funktioniert. Aber wehe, jemand wird abgelenkt oder „gerädert”. Ob auf diesem Areal, oder im Leben selbst.
Da es oft Kleinigkeiten sind, die alles wieder in die Hand geben können und rechtzeitig wach machen, uns vor allem hellwach halten können, schreibe ich momentan an einer Erzählung mit dem Arbeitstitel „Gerädertes Verlangen”.
Es ist die „Halbtages-Geschichte” eines Mannes, der als Projektleiter sehr viel Erfolg hat. Er heizt die Motivation seiner Mitarbeiter mit Dingen an, die ihm in seinen kurzen „Kreativpausen” tagtäglich über den Weg laufen und allen Beteiligten helfen. Welche Fragen bleiben?
Der Hintergrund:
Wohin wir auch schauen und in welche Richtung wir gedanklich auch immer wandern mögen: Überall entdecken wir unermüdliche Räder, die präzise arbeiten - ganze Räderwerke faszinieren uns, obwohl sie natürlich immer etwas von Abhängigkeit, vom Unterordnen, vom Dienen oder auch vom „Dienst an einer Sache” erzählen. - Mit jedem Tick, mit jedem „Klick”, kann man sich aber mit der Zeit auch darin und daran „verlieren”. Schließlich arbeiten die Räder überall, nicht nur im Beruf. Die Freizeit gibt uns auch viele Fesseln für die Hände und den Kopf. - Auftragsbündel fliegen auf uns zu, Zeitfenster töten Seitenblicke, die Konzentration steht am Fließband - Funktionieren ist Pflicht. - Und: Irgendwann braucht man immer mehr weiche Sandkörner am Strand, unter den Füßen, um nicht an den Rand gespült zu werden. - Das Verlangen ist gerädert.
© Mondreiter
Geschrieben am 19. Januar 2008 von Mondreiter
Kategorie: erzählungen

Ich erinnere mich an ein Gefühl, war ich mal richtig geschafft und kapautt - im negativen Sinne - ich fühlte mich gerädert. Doch das rädern stammt ja als Begriff aus dem Mittelalter, als das Rädern eine Form der Folter war.
Der spannende Satz in deinem Text “Funktionieren ist Pflicht” geht mir in ähnlicher Form auch schon seit Monaten durch den Kopf. Doch in einem strammen und engen Räderwerk geht es ja nicht anders, will man nicht aufgerieben werden bzw. das Räderwerk zun Stillstand bringen.
Das hat sicher auch etwas mit schnellen Leben zu tun, was wir alle führen. Es kann unter diesen Bedingungen kein Innehalten mehr geben.
Gruß Nordstrahl