Kann man eigentlich sagen: „Unsere Sprache unser Schicksal?” - Wer sich gesund ernährt, wird es unbedingt bejahen und auf einen Buchtitel verweisen, der uns ganz schnell, so Knall auf Fall, wach zu rütteln vermag: „Unsere Nahrung unser Schicksal”. Verknüpfungen, so weit das Auge reicht.
Ich bin Hundehalter und deshalb frage ich zunächst einmal, ob es bedeutungsvoll oder schnurz-piep-egal ist, wenn wir unserer Sprache die lange Leine geben. Der Alltag steht nun mal mit dem Feinschliff auf Kriegsfuß, weshalb unsere Ausdrucksformen und Formulierungen - und auch die Suche nach Politur, nach wohlklingenden Verknüpfungen und Wortschätzungen, zwangsläufig der alltäglichen Talfahrt ausgesetzt sind.
Nun bin ich aber wieder einmal auf einen ganz falschen Zug aufgesprungen. Eigentlich wollte ich von meinen Gedankensprüngen erzählen, die mich auch heute Abend beim Abwaschen heimsuchten und noch nie „ganz ohne” waren. Warum sollte sich daran auch etwas ändern? - Ich war also beim Abspülen und Abtrocknen. Nicht etwa nur beim Geschirrspülen. Nein, auch diesmal gab es noch andere Dinge zu säubern.
Unter anderem galt es drei Messer zu reinigen und abzutrocknen. Dabei stellte ich fest, dass sich im Messerfach, sofern sie alle sauber sind und hier liegen, exakt sieben Schneidewerkzeuge ruhen. Da ich in der Regel nach dem Gebrauch des dritten Messers abspüle und den Abwasch erledige, werden die „zu unterst” liegenden, also die kaum einmal in den Genuss des Abspülens gelangenden Messer natürlich auch nie benutzt. Das heißt: Ihre Klingen sollten eigentlich die schärfsten sein. - Also nahm ich heute die kaum Benutzten aus dem Fach, legte die gerade Abgespülten nach unten und die vermeintlich Scharfen - richtig - kamen somit oben „zu liegen”.
Als ich gerade den Stöpsel des Abspülbeckens gezogen hatte und dem Spülwasser freien Abzug gewährt hatte, als sich die lauwarme Brühe also gurgelnd in das Abflussrohr ergoss, schoss mir ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Ich dachte an den Deutschen Bundestag. - Ja, zunächst war auch bei mir Kopfschütteln angesagt, weil ich gar nicht wusste, warum sich etwas gerade beim Gurgeln und Davonmachen meiner bemächtigte und gleichzeitig darauf pochte, dass sich diese Gedanken auch entfalten sollen. - Irgendwie konnte ich wohl gar nicht anders, wie ich mir später sagte. Ja, unser Kopf ist schon eine mächtig gewaltige Backstube.
Also, unser Bundestag: Da gibt es die Front-Sitzenden, also die, die am häufigsten zum Rednerpult eilen. Dahinter gibt es die sich selten bewegende, bisweilen mal räuspernde Grauzone von Personen, die ihren Ansporn, auch einmal den Mund aufzumachen, wohl all den Hinterbänklern verdanken, die sie in ihrem Rücken wissen. Die Hinterbänkler sind ja die Gerade-Noch-Mitglieder des hohen Hauses. Sie machen häufig dann den Mund auf, wenn der Saal leer ist oder mit Schlafenden gefüllt ist.
Wichtig scheinen sie trotzdem zu sein und ihr Name hat sich auch schon richtig rund geschliffen. Und zwar dermaßen stark, dass auch die Word-Rechtschreibprüfung das Wort „Hinterbänkler” sofort akzeptierte, während dieser programmierte Lektor (das ist auch toll) den Bänkler sofort rot ankreidete. Ja, Sachen gibt`s!
Ob das für all diese Grau-Zonies ein unbehagliches Gefühl ist? - Ich begann langsam und bedächtig nachzudenken. Mir fiel auf, dass die Hinterbänkler gleichzeitig auch die sehr scharfen, kaum benutzten Messer sein können. Scharfe Klinge gleich scharfe Zunge. Jedenfalls widersprach ich diesem Gedankenblitz nicht. Wer hat in der Küche schon eine Waage für flüchtige Gedanken stehen oder bemüht ein Sieb, um die einfliegenden Einfälle beiseite zu schieben?
Vor allem: Was geschieht mit den weniger scharfen Zungen - also mit all jenen Personen, die demnach also schon von vornherein gerade mal als halbscharf einzustufen waren? Ist eine Scharf- oder Spitzzüngigkeit, um mit der Sprache der herumreisenden Messerwetzer zu reden, auch durch regelmäßiges Wetzen zu erreichen - auf Trab zu bringen?
Gerade wurde ich das Gefühl nicht los, dass es gedanklich noch nicht ganz ausgereift ist. Jetzt habe ich es aber abschütteln können. Das muss aber noch nicht viel heißen.
© Mondreiter
Geschrieben am 13. Januar 2008 von Mondreiter
Kategorie: gedankenblitze

Hallo Mondreiter,
schön..ein Metapher aus der Küchenschublade.
Ich finde, ein Metapher ist wirklich sehr hilfreich um ein System zu durchdringen. Das macht Dinge sichbar, die man so nicht sehen kann. Ich nutze für mich gern die Gesetze der Pysik. Sie lassen sich hier und da als Metapher auf das Leben übertragen, um für mich etwas sichtbar zu machen, was ich nicht fassen kann.
Ob die Hinterbänkler die schärferen Zungen haben, als die Redner oder gar Dauerredner, weiß ich nicht wirklich.
Was mir als Bürger wichtig ist, ist eine klare und eindeutige Sprache der Politiker, ein Sprache, die messerscharf ein Problem auf den Punkt bringen kann. Doch über die vernebelten Eiertänze unserer Politiker haben wir uns ja schon des öfteren ausgetauscht.
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag
Gruß Nordstrahl
hallo nordstrahl,
die hinterbänkler könnten ja für positive bewegung sorgen, aber dem kann (wird) natürlich im wege stehen, dass sie ihren platz als “dankbar” gegenüber der partei empfinden und nicht vorpreschen wollen. schließlich kann es auch ein sprung ins leere werden. - korrigiere mich: es wird ein sprung….!*grins
lg mondreiter