Der äußerst mysteriöse Mordfall Gaucke in Hannover wirbelte nicht nur 2006 viel Staub auf, denn die Mordopfer, Karen Gaucke und ihre Tochter Clara, wurden bisher nicht gefunden und der Indizien-„Mordprozeß ohne Leichen” gegen den Kindesvater und TUI-Controller Michael P. endete mit dessen Verurteilung.
Entscheidend für das verhängte Strafmaß gegen Michael P. war das Gutachten des Psychiaters, Prof. Joachim Zeiler, der ihn für nicht schizophren noch paranoid befand und einen Affekt ausschloß. Der Angeklagte war nach seinen Erkenntnissen für sein Handeln voll verantwortlich zu machen.
Die Täterbeschreibung, insbesondere eines der Tatmotive - nämlich die Tatsache, dass Karen Gaucke nach der Babypause beabsichtigte, wieder bei dem Konzern, also im Umfeld von Michael P. zu arbeiten, was dazu hätte führen können, dass der Täter hätte bloßgestellt werden können („So ist dieser Mann wirklich”) - hätte auch der weiteren Karriere und seinen diversen Liebschaften nicht gut getan.
Der Psychiater stufte P. bezüglich seiner Lebenserwartungen (Familie, Kinder, schönes Haus, großes Auto) als konservativ ein, im Konzern TUI bekam er (wen verwundert es) durchweg sehr gute Noten. - Andererseits sei P. privat anders aufgefallen. Der Psychiater sprach von einer narzisstischen Person, die andere Personen, vor allem Frauen, manipulieren und „lenken” wollte. Er zeigte sich charmant, hatte ein ausgeprägtes Gespür für die Sehnsüchte seiner Frauen gehabt. Absolute Treue wurde von ihm verlangt, obwohl er selbst ein Egozentriker und Frauenheld war und neben der momentanen Freundin immer gern auch eine Geliebte hatte. Prof. Zeiler resümierte: „Es mutet an, als sei P. ein Jongleur in menschlichen Beziehungen gewesen.”
Tatsächlich keine „krankhafte Tat”?Da die Ermittlungs-Ergebnisse im Sommer 2006 natürlich nicht alle der Öffentlichkeit preisgegeben wurden (werden konnten), blieben auch allen, die sich mit dieser Tat spontan oder im nachhinein beschäftigten, natürlich diverse Kleinigkeiten verborgen, die ihnen andere „Muster” verschlossen, die andere Ansätze, weitere „Bilder” hätten ergeben können. - Hatte sich die Ermittlungskommission vielleicht zu sehr von einem angenommenen Tathergang fesseln lassen - und damit „festfahren” lassen? Es deutet vielleicht einiges darauf hin, dass Variationsmöglichkeiten bezüglich des Tatherganges und der Spuren verdeckt blieben.
Veröffentlicht wurde, dass sich in der Wohnung (Küche) von Karin Gaucke (unter der Küchenzeile) Blutspuren sichern ließen. Damals „hing” man mit der Preisgabe dieser Tatsache zeitlich ziemlich nach. Verständlich - aber: Wurden sie erst später entdeckt, weil die Tatortsicherung es zunächst nicht ergab? - Weil der Täter „grob” oder intensiv gesäubert hatte und diese Blutspuren erst nach dem Wegrücken der Möbel sichtbar wurden?
Damit erhebt sich die Frage, ob anhand dieser Spuren zweifelsfrei darauf geschlossen werden konnte, um welches Mordwerkzeug es sich letztlich handelte. Sicher: Es ist, wenn man versucht, sich in die Denkweise des Täter hinein zu versetzen, nicht entscheidend. Vielleicht wurde es im Prozess selbst auch geklärt und erschien in keinem Bericht?
Auf jeden Fall wurde zumindest eines klar: Die Ermittlungen dürften zweifwellos aber ergeben haben, welche Zeiträume sich für P. nach der Tat (bis zur Rückgabe des Leihwagens) ergeben hatten, um die Leichen abzutransportieren und für sie ein sicheres „Versteck” zu finden.
Das könnte zum springenden Punkt werden, wenn man den Täter aus einem anderen „Blickwinkel” sieht und einbezieht, dass auch andere Faktoren in seinem Denken eine andere (vielleicht sogar eine logischere) Rolle spielen - und P. deshalb mit diversen Täuschungsmanövern arbeitete, die sich zwar belastend auswirkten, die er aber in Kauf nehmen konnte und die sich für ihn selbst keineswegs als erdrückend darstellten.
Dann könnte es sogar so sein, dass sich Michael P. ständig „eins ins Fäustchen gelacht hat”, weil er aus seiner Sicht „nie wirklich überführt” wurde und deshalb auch im Prozeß immer „den Kopf oben behielt”. Sichtweise: „Wirklich überführen werdet ihr mich nie - ich lasse euch nur die Vermutung”.
Sollten sich die Ermittler im Kreis drehen und entscheidend abgelenkt werden, weil er damit immer hinsichtlich des tatsächlichen Leichenversteckes (Denkweise: „Real ist der Mord erst dann, wenn die Leichen da sind - mir kommt keiner auf die Spur - ich habe alles unter Kontrolle - ich habe die wirkliche Macht und Kontrolle auch hinter Gittern immer noch”) „außen vor” bleiben konnte? - Ich glaube daran, weil P. absolut nichts aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Der früh vorgetäuschte Selbstmordversuch spricht ebenso dafür. Das „Gefühl von Macht” kostet P. ebenfalls jetzt noch aus, weil er einem Mithäftling absichtlich Dinge „steckte” die reine Ablenkung waren.
„Totale Kontrolle” - „Bestrafung” und das „Gefühl von Macht”Ich glaube, dass es sich erübrigt, darauf einzugehen, wie Psychologen diese Merkmale einschätzen. Für mich ist Michael P. der perfekte Typ, für den diese Attribute eine sehr große Bedeutung hatten und tagtäglich eine große Rolle spielten und weiterhin gültig bleiben - dass sie prägend für seinen Charakter und seine Handlungsweisen sind. Darauf deutet seine „Sicherheit” hin, die für ihn so etwas wie ein schützender Rollladen ist. Das bietet bleibenden Schutz vor „Verletzung” und ständige Präsenz von schillernder Arroganz. Das Jammertal tut sich erst auf, wenn er sich selbst als überführt sieht. - So gesehen, war die Vorstellung des Anwaltes der Nebenklage, P. mit der Anwesenheit der Eltern ständig zu konfrontieren und weich klopfen zu wollen, von vornherein zum Scheitern verurteilt - ja, es könnte meine Vermutungen erhärten.
Seine scheinbaren „Leichtsinnigkeiten”A:
Leichtsinnig war sicher, dass sich der Täter im Internet umhörte, ob und wo ein Bolzen-Schußgerät zu ersteigern war, mit dem er (zunächst?) den Mord plante. - Seine Detailplanungen und die Kaltblütigkeit sprechen eigentlich gegen die Vermutung von Oberflächlichkeit und dagegen, dass er (scheinbar) nicht gewusst haben soll, dass sich gelöschte Daten auf einem Computer bis zu einem gewissen Grad auch wiederherstellen lassen.
So etwas erfährt man doch schon in einer „Tatort”-Folge im Fernsehen. - Es ist für mich nur sehr schwer vorstellbar, dass er wirklich so unwissend war - bei seinem Beruf, seinem Umfeld, bei so viel Kalkül, bei so viel Wissen und Planungssorgfalt!!??
Aber: Was hätte er, wenn er es nur vorgetäuscht hatte, daraus überhaupt für einen Vorteil ziehen können? Die Internet-Präsenz hätte in jedem Fall ein Indiz dafür werden müssen, dass er die Tat geplant hatte. - Nahm er es wissentlich in Kauf; und wenn ja, mit welchem Hintergrund?
Vorstellbar bliebe ansonsten nur noch, dass irgendein gravierender (vielleicht nicht bekannter) Umstand den Täter zeitlich dermaßen in Zugzwang brachte, dass er mit der Tat und der Opferbeseitigung zur Improvisation gezwungen war.
B: Bei der Anmietung des Leihwagens lasse ich das Argument des Täters, eine Probefahrt zu machen, sofort fallen. Die Anmietung selbst wurde von P. sorgfältig geplant. Es war nicht etwa die plötzlich ins Spiel gekommene Kamera beim Vermieter, der die Fahrzeugübergabe dokumentiert, die P. verunsicherte. Die telefonische Bestellung war bereits „eine Farce” und sollte „an ihn erinnern”. P. vermied es lediglich, den Kombi direkt in Hannover zu bestellen, weil sich durch eine Bestellung in Braunschweig der Eindruck erwecken ließ (was dann auch der Fall war), dass er diesen Kombi zum Leichentransport brauchte. Den Wagen brauchte er, weil er ja weitere Scheinfährten legen wollte. Das Absuchen vieler Gewässer gab ihm Recht. Die wenigen Fahrkilometer (unter 100 km) sollten darauf hinweisen, dass P. kein großen Radius gegeben war, um die Leichen verschwinden zu lassen.
Ich meine, dass in diesem Leihwagen die Leichen (durch Sicherstellung der Blutspuren bewiesen - vom Täter vielleicht sogar selbst gelegt?) kurzzeitig lagen, dass der Wagen von ihm aber garantiert nicht zum Endtransport benutzt wurde. Höchstens dafür, am Tatort selbst ein Fahrzeug zu haben, das nicht auf ihn als Anwesenden in der Strasse, vor dem Haus, aufmerksam machen sollte und was ihn empfindlich beim Abtransport hätte stören können.
Komme ich auf die Argumente „Totale Kontrolle”, „Machtgefühl” usw. zurück, dann war das Auswählen eines Leichenversteckes etwas, was mit diesen Attributen zu tun hatte - was er für sein „Hohes Podest” seiner Person unbedingt weiter benötigt - was eine tiefe Befriedigung auch garantiert und erhält.
Hätte er sich eingeschränkt Mittwissende leisten können - durch starke Abhängigkeit - Unterwürfigkeit oder Hörigkeit - durch eine andere Verbundenheit gar? - Es scheint ausgeschlossen, aber was ist unmöglich?
Welche Zeitfenster hatte P. zur Verfügung, in der fraglichen Zeit, um welche Strecken zurücklegen zu können? Gehe ich von den genannten Merkmalen seiner „Machtdemonstrationen” aus, kämen als mögliche Leichenverstecke Orte in Frage, die P. selbst (vielleicht schon seit der Jugend) viel bedeuteten, die er genauestens kennt, wo er sich zu Hause fühlte und die auf ihn eine besonderer Anziehungskraft ausübten - wo er immer auftanken kann - auch später noch. - Vielleicht nahe bei seinen Eltern? Waren sie in der Zeit überhaupt daheim? Hätte er in diesem Gebiet auftauchen können?
Michael P. wird seinen hohen Sockel, das scheint mir klar, niemals aufgeben. Und die „gut aufgehobenen” Leichen könnten dazu gehören. Werden sie gefunden, erst dann wird er sicher wirklich am Boden zerstört sein.
© Mondreiter
Geschrieben am 10. Januar 2008 von Mondreiter
Kategorie: aktuelles
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