Ich will euch mal sagen, was mir beim Betrachten dieses Fotos in den Sinn kam. Die Gedanken, von denen ich sprechen will, könnten uns gar nicht weiter beschäftigen, wenn wir auf dem Weg zur Arbeit, praktisch im Vorbeilaufen, noch einen „Coffee to Go” ergattern. Auch dann nicht, wenn uns eine Begebenheit gehörig langweilt. Ich denke etwa daran, dass ich zufällig Zaungast eines Promi-Empfangs werden könnte und verweilende Passanten mit ausgiebigem Gähnen nerven würde.
Wenn ich das Foto ansehe und mir vorstelle, dass dieses Wehr mit rauschend abfließendem Wasser noch vor einiger Zeit auf Betrachter absolut berauschend wirkte und Mittelpunkt eines idyllischen Fleckchens Erde war, dann arbeitet es im Oberstübchen schon wieder ganz gewaltig. Es ist ein warnender Klingelton, der mich schlagartig hellwach macht. Etwa so eigenwillig klimpernd, als würden sich leicht vibrierende Tassen aneinander reiben oder ein schnell abgelegter Schlüssel am Brett auf andere treffen.
Wo etwas zum Erliegen kommt und kurz darauf brach liegt, ist oft auch etwas aus den Angeln gehoben worden, aus den Fugen geraten - und droht uns dauerhaft verloren zu gehen. So etwas drückt bei mir in der Regel auf die Stimmung und bringt mir auch schon mal „Teufels Küche” ins Haus. Wohl denen, die den Initiatoren oder Auslösern von Missständen nicht auf die Finger klopfen möchten - auf Anprangern zu verzichten verstehen. Sie sind glücklich dran, aber mir will es einfach nicht gelingen.
Trotz allem ist bei mir, wenn ich mich mal kurz von dem beziehungsreichen Foto losreiße, in letzter Zeit nichts von dem da, was mich annagt oder hektisch macht. Liegt es daran, dass ich es mir vom Leibe halten will ? - An und für sich bin ich ja eine Koryphäe darin, Gefühlswallungen und begleitend auftretendes Körperflattern deuten zu können.. Aber es bringt mich nicht weiter. Momentan bin ich betont ruhig, komme mir seit geraumer Zeit vor, als sei ich feinstens abgewogen, ausbalanciert und weich in den Tag gesetzt.
Recht haben alle, die meinen, dass es viel oder gar nichts heißen muss. Genau. - In mir geht aber trotz allem ein Anflug von beißendem Unbehagen spazieren. Es besitzt eine Art von Leibwächter-Funktion kurioser Prägung. Es will alles abwehren, was diesem Signalgeber an den Kragen will. - So, als müsse ein Süppchen erst im stillen Kämmerchen still vor sich hinbrodeln. - Warum ist das so?
Der Misston ist also präsent und klopft an - wieder und wieder. Bisher kannte ich das nur von meinem Mobilfunk-Anbieter, der mir eine Netzallergie andichtet und inzwischen glaubt, dass er mich mit Happy-Month-Tarifen einsalben kann. - Was das Unbehagen angeht, so hat es mit den vielen Fragezeichen zu tun. Wenn ich nämlich an Deutschland denke, dann wacht neben mir, und zwar allmorgendlich, eine Art „bleierne Stille” mit auf, die sich nach meinem Dafürhalten auch in alle Winkel dieses, unseres Landes eingenistet hat - die stumm gemacht hat, mausestumm (putziges Wort).
Seltsam - aber wahr. Immerhin regen wir uns ja prächtig über alles auf, was uns nicht betrifft. Was uns wütend macht oder gar „aussaugen” will, bedenken wir mit Schweigen und gleichzeitigem Abwenden. So, als wenn Hunde beschwichtigen. Genau genommen dürfen wir uns eigentlich auch gar nicht beschweren und Missstände anprangern. Dafür ist es viel….noch viel zu früh.
Schließlich leben wir in einem Land, das sich die „Stufe 1″ auf einer nach oben hin recht offenen Skala für Gesundes Nationalbewusstsein nach geraumen Jahrzehnten durch einen sportlichen Auftritt lautstark erobert hat. Mehr Stolz müssen wir uns erst verdienen. Hier breche ich ab, denn nun geht es um Arbeit - um billiges Anbieten und recht wenig Verlangen also.
Jetzt werde ich einen Spaziergang machen und mich in der kommenden Woche mal wieder von den vielen, umgehenden Trommlern einlullen lassen. Sie verschmeißen immer so viel Farbe und wollen uns froh stimmen. Schön, dass es so etwas gibt. Vielleicht hilft es ja und kann mir ein befreiendes Lachen abringen. Man merkt schon, dass ich heute wieder durch und durch optimistisch gestimmt bin.
© Mondreiter
Geschrieben am 18. November 2007 von Mondreiter
Kategorie: denk ich an D.....

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