Gerade heute schoss mir morgens durch den Kopf, dass man in seiner näheren Umgebung erheblich mehr mitbekommt, wenn man öfter als sonst aus dem Haus gehen und loszotteln muss. Beginnt der Tag als stinknormaler Tag, bekommen zart besaitete Seelen bereits den Tunnelblick, wenn es während des Rasierens plötzlich klingelt. Der Wasserkessel kann es nicht sein, weil er penetrant pfeift - also ist es der Einlass-Begehr-Knopf am „Haupttor” des Hauses. Wenn man das richtig erkannt hat, ist man auch schon hellwach.
Das Ulkige daran ist, dass uns der Stress-Regulier-Fühler im Körper aber etwas anderes einzuhämmern versucht. Ebenso die Mediziner. Sie sprechen dann, so rede ich mir beharrlich ein, sicher von einem Purzelbaum-Effekt sich begegnender Gegner. Hier die „Ruhe im Karton”, dort das angegriffene Gleichgewicht.
Nach einem solchen Zwischenfall soll man nach Meinung namhafter (also aller) Verkehrspsychologen nicht mehr ans Steuer seines eigenen Autos oder anderer, weil die Unfallgefahr….! Na, wem sage ich das. - Aber wer schläft heute schon wirklich - und dazu noch fest? Grinsen muss aber erlaubt sein.
Es gilt, in der Eile die richtige Entscheidung zu treffen, ob man noch rechtzeitig den Arbeitsbeginn anstreben oder sich vielleicht doch….zurückziehen oder….verspätet erscheinen sollte!!?? - Wie gut derart Gebeutelte dann zur Arbeit kommen, weiß ich nicht. Darüber lässt sich auch nie etwas lesen. An dieser Stelle klinken sich Psychologen wohl auch aus.
Heute morgen war für mich zwar Eile geboten und ich war hundemüde, Golfo schien mir aber etwas besser drauf zu sein. Zwar in punkto Laufrichtungs-Stabilität noch etwas fahrig (aha, der ICE donnerte gerade über die Brücke), dennoch durchaus stöberfreudig. Und das, obwohl er sich da noch mitten in seinem bisher schwersten „Durchmarsch” befand.
Eine Nacht voller Eil-„Geschäfte” lag hinter uns und der „Pfiff” drohte auch den Tag zu erobern. Mit Rein- und Raushasten war es da nicht allein getan. Hinzu kam, dass mich Schuldgefühle beschlichen. Ich war es ja, der diese Altbauwohnung im 3. Stock wollte und bildete mir ein, dass sein Augenzwinkern bei der Übergabe ein klares Zugeständnis war. - Ich rechne Golfo hoch an, dass er sich beim Treppauf und auch beim Runter kein einziges Mal beschwert hatte. Der Tapfere. - Mein Hund eben.
Wegen des „pfeifenden” ICE zog es ihn also auf dem Gehsteig gleich nach links. Der Wind war am Rütteln, der Himmel heulte tränenreich. Meine mäusekleinen Augen musterten, was sich beim Thai-Restaurant tat. Ach, die Küchenhilfe (rotes Cappy) wurde heute mal zum Fensterputzen des Lieferwagens abgestellt. Die erste Begegnung am Morgen mit einer der Beinahe-Mindestlohn-Belohnten in diesem, unserem Viel-Job-Land - in diesem, meinem Viertel.
Sie wienerte behende und ohne Murren - und ich schlussfolgerte daraus natürlich prompt, dass sie ganz sicher auch freudig Kartoffeln schält und wischt. Personalnot also nicht nur beim FC Dunkel. Wer kann da von „profitabel” reden? Ja, so etwas schafft nur der Staat selbst. Neulich bog ich mich noch vor Lachen, als mir folgender Spruch einfiel: „Arm durch Arbeit wird man - Arm ohne Arbeit bleibt man!” Es erstarb, wie es gekommen. Das nur am Rande.
Direkt gegenüber die Eingangstür zur Schuhreparatur-Werkstatt. Der Chef ist arm dran. Es ist ganz egal, wann ich komme - er wartet immer auf Kundschaft. Das Warten machte ihn aber, so schien es mir, bisher nicht unfreundlicher. Ich ließ mich auf meinen Gedankenfluss ein und überlegte, während Golfo den Ampelbaum bewässerte, was sich überhaupt an unseren heutigen „Tritttchen” noch besohlen lässt.
Ich habe mich da bisher nicht schlau gemacht, aber ich hegte eigentlich immer starke Zweifel, dass sich in punkto Material heute noch etwas zurechtschustern lässt, wo die Materialbestimmung äußerst schwierig zu sein scheint. Was ist Leder, was ist Gummi? - Ich meine: was innerhalb der Sohle schlummert, weiß man nicht. Oben Leder, darunter Pappe, Schredderkram oder Geleimt-Recyceltes? Auf jeden Fall ergibt es eine Schicht.
Wird die Erneuerung geklebt, ge- und verspannt oder gar ekelhaft gestreckt - überhaupt nicht mehr zart genagelt oder genäht? Vielleicht unter Dampf verbügelt? Auf jeden Fall gibt es zwei Schichten. Die Unterschicht wird abgelatscht und die Oberschicht beginnt nach kurzer Laufzeit einseitig zu stinken. Mir schwant, dass sie nur verklebt sein können, denn Oberschichten brauchen die Unterste doch SO, wie jobsichernde Angestellte eben diejenigen „Krauter” benötigen, die in Krisenzeiten als Mob herhalten müssen.
Nun ist es früh am Morgen. Wieder mal. Golfo ist reismatt, da Hühnchen als Beilage auch gestrichen wurde. Da sich in anderen Breitengraden die Bevölkerung ganzer Landstriche damit recht gut auf den Beinen hält, hat auch Golfo immer noch den Durchblick behalten können und endlich etwas im Magen. Aufatmen trotz totaler Übermüdung. Ich schreibe - er döst und grunzt ab und an vor sich hin.
Die Zeitung von gestern, das Altpapier also, bleibt noch in der Küche. Sicher ist sicher. An wen lassen sich Stoßgebete senden, wenn man an Magie glaubt? Auch ein irrer Spruch muss mal erlaubt sein. Das Schlimmste: Kein Schwein ruft mich an - keine Sau interess……! Gerade zu Krisenzeiten.
Keine weichen Augen, die mich auch in den Schlaf holen. Kein Streicheln und Flüstern. Regentage eben. Heute will ich von Positiv-Verrückten träumen - von Positiv-Versessenen in diesem, unserem Land! Oder ich träume von Golfo. Soll es nur weiter regnen und winden, „gießen und schütten” oder pladdern und nieseln. Die Sonne ist da.
Bevor ich wegnicke: „Dieses Land, das sind wir!” Ich sage da ja nichts Neues. - Schade nur, dass wir so erbärmlich schweigen „gelernt” haben.
© Mondreiter
Geschrieben am 12. November 2007 von Mondreiter
Kategorie: denk ich an D.....


Hallo Mondreiter,
nun …alle schweigen nicht. Ich denke eher, dass es mit dem Zuhören nicht mehr so richtig klappt. Mit der Hast durch die Zeit hört jeder nur das, was er hören will, was grad in seine Stimmung paßt. Das macht die Kommunikation zur Zeit so schwierig..eben zu viel Input zu viel Input..da geht das gesprochene Wort von Gegenüber einfach unter.
Eine wahre Erkenntnis hast du ans Tageslicht gebracht.. Sie gehört auf die Transparente..falls die Deutschen doch noch auf die Straße gehen:
„Arm durch Arbeit wird man - Arm ohne Arbeit bleibt man!”
Besser kann man die Situation einer großen Bevölkerungsschicht nicht auf den Punkt bringen. Die moderne Armut läßt sich nicht besser zum Ausdruck bringen, denn viele müssen schon nach dieser These leben.
Gruß Nordstrahl
ja, der satz schoss mir förmlich durch den kopf und während des spazierganges hämmerte ich ihn mir ein, um ihn nicht zu vergessen.
ich glaube - und versuche es nun häufiger anzuwenden - ja, ich versuche einfach nach dem motto “zeige den lesern den eigenen schmerz, um ihnen einen anreiz zu geben, irgendwie spontan zu antworten, weil selbst schmerz und ohnmacht empfunden wird”.
es ist wichtig, wenn es um UNS geht und noch wichtiger, dass die stummen aus ihren schneckenhäusern kommen. - wir brauchen positiv-verrückte, die an den pforten rütteln, die für uns angefertigt wurden, um (pauschal gesagt) auszuschliessen, klein machen zu können, abzulenken usw….usw….usw! - ich danke dir. lg
Hallo Mondreiter,
die Blitzgedanken kommen so plötzlich, dass man sie auch ebenso schnell vergessen kann. Da ist eine kleine Notiz als Eselbrück schon hilfreich. Obwohl der Blitzdeganke im Moment, wenn er auftaucht, die einfachste Erklärung für das ist, was in einem arbeitet, kann er sich doch genau so schnell wieder verflüchtigen und auf Nimmer wiedersehen in den Untiefen den Bewußtsein abtauchen.
Mir ging es schon einige male so, dass ein plausibler Blitzgedanke, als ich ihn wenig später niederschreiben wollte, schon wieder in der Versenkung verschwunden war.
Weil die Wirtschaft momentan wohl fast jeden schmerzt - stellt sich auch schnell eine Reaktion auf das gelesene ein. Zumindest ging es mir so, obwohl ich mich von der Politik mehr oder weniger fern halte. Doch der tägliche Überlebenskampf wird auch den unpolitischen Bürger wieder auf die Politik zurück werfen.
Die Bahn erlebt jetzt eine harte Lektion. Sie müssen feststellen, dass es ohne den Menschen nicht geht. Und weil ich nicht unkritsiche während der letzten Jahren die Veränderung der Bahn durch Personalabbau und Einsatz der Automaten beobachtete - erlebe ich den Lokfahrerstreik als einen inneren Vorbeimarsch. So sehr hatte ich mich wohl schon die “arrogante” Bahn geärgert.
Gruß Nordstrahl