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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

Aufarbeitung ist ein….. (2) — “Rückblick”

Ich muss kurz darauf zurückkommen, was vor dieser „Flackerphase” war - und was das Danach begleitete.

Was uns vom ersten Augenblick an begleitete, was mich erstaunte und sie gleichermaßen verunsicherte, das war zweifellos, dass ich sie „lesen” konnte. Zunächst noch holperig, dann fließend - das Buch lag ständig geöffnet vor mir. Immer kam erschwerend hinzu, dass ein ganzer Wust, ein ganzer Stapel von Fragezeichen dieses Buch gleichzeitig zu verdecken schien.

So, als gäbe es ihre Gefühle, Zweifel, Verzweiflung und die Hilflosigkeit - alles auf Schreibpapier gedruckt. Dieser Stapel wurde noch beschwert durch ihren „Leitfaden”, der ihr immer Schutz, Abwehr und Flucht ermöglichte - aber auch die Vorstöße, ein Vorangehen mit Deckmänteln als perfekte Tarnung.

Sie lesen 

Dieses Gefühl, sie „lesen” zu können, kommt einem Kurzflug mit einem kleinen Flieger gleich. Dieses schnelle Beschleunigen - den Hebel ganz durchgedrückt, dann abheben, aufsteigen und auf die gewünschte Höhe kommen. Dann stellt sich eine leicht tanzende Balance ein und der Gashebel kann zurückgenommen werden. Das Genießen stellt sich ein. Später dann ein Moment, der „schön schwindelig” macht und an das Erleben in der Achterbahn erinnert. Absenken der Nase, mittlerer Sturzflug und Abfangen mit Ruder und Motorkraft.

Für den Tag bemühte sie mit schöner Regelmäßigkeit einen schützenden Ausspruch: „Mich versteht eh keiner - bemüht euch nicht - und Tschüß!” Das steckte auch in jedem scheinbar unbeschwerten Lachen und in ihren Augen. Abends zerfledderte sie ihre enorme Kreativität oder suchte ganz neue Ansatzpunkte dafür - lief sich in der Wohnung die Füße wund oder war auf Pendeltour zwischen PC und Fernseher. Schlaf suchen und finden - das war immer so, als ginge es partout darum um ein kurioses Projekt zum Erfolg zu bringen - das Auffinden von zwei verschieden großen Latschen nämlich.

War ich mal bei mir daheim, rief sie in der Nacht an. Es war schön mit ihr zu sprechen, aber immer „beackerte” sie auch alles, was unsere Verbindung anging und immer war es so, dass ich einer gewissen Rolle gerecht werden sollte (musste). Die erste Aufgabe für mich, und das war für sie dann tatsächlich wie eine Art Begleiterscheinung dieses berühmten Kribbelns im Bauch: Sagt er, was gerade mit mir ist - findet er es hinter einer manchmal sogar geheuchelten Weichstimme heraus, die mit wenigen Worten „Fangeball” spielt?

„He, ich will endlich schlafen, lös das endlich für mich auf”, schien sie zu flüstern. - Ich kam mir vor wie jemand, der sofort „den” Draht finden musste, der Schuld daran ist, dass Strom nicht fließen lässt. Suchen, damit sie zur Ruhe kommen konnte.

Aber: Liebe macht aus einer Lieferung von Riesenpaketen immer ein beschwingtes Verteilen von Päckchen.

Die gewonnene Harmonie war am folgenden Tag abzulesen und schlug sich an einem der nächsten Abende, bedingt durch unsere räumliche Distanz über die Werktage, auch darin nieder, dass Telefongespräche (selten vor 23 Uhr) mit Bildern von Palmenstrand, Honigmond und echtem Lachen abgefüllt waren. Sie las aus diesem Buch und ich hörte viel zu - erwarb damit den Beinahe-Meister-Grad. Sie war in der Lage, alles in ein Silberband von Mondstrahlen zu legen, die auf dem Wasser zueinander gefunden hatten. Den „springenden Punkt” gab es zum Nachtisch. Zwischendurch war sie mit viel Akribie unterwegs, diesen Punkt nur nicht früh anzuschneiden.

Du weißt doch…”, gebrauchte sie dann oft - und verriet mir, wie sie alles sah. Ich selbst hatte dies auch oft festgestellt: „Du kannst erraten, was ich denke und sprichst es auch aus.” - Wenn ich dann antwortete: „Ja, ich weiß”, dann schlich sich jeweils eine sehr lange Pause ein. Mit diesem Aussprechen und den Pausen tat sie mir einen großen Gefallen. Wie oft hatte ich mir manchmal auch die Frage gestellt, ob ich es tatsächlich auch wieder geschafft hatte, bloß nicht zu interpretieren. - Dann wäre es ein „Irrweg” für beide geworden - und sie hätte es noch schwerer gehabt.

Es ist eine verlockende, große Gefahr,  s o  nach „Auflösung” zu suchen.

Und: Es ist ein langer dornenreicher Weg, der zu IHR führen kann - könnte. Nach Garantien dafür zu suchen hieße allerdings,  Eulen nach…..na, Sie wissen schon!

© Mondreiter

Eine Antwort to “Aufarbeitung ist ein….. (2) — “Rückblick””

  1. “Mich versteht eh keiner” ist ein satz, der den Gegenüber gradewegs in das schlechte Gewissen führen soll und damit läßt es sich schwer händeln. Er führt in eine nicht enden wollende Selbstmitleidschiene und Sackgasse.
    Traumwelten sind Rückzugsmöglichkeiten, die sich selten auf den Leben übettragen lassen. Es ist eine Illusion, zu glauben, das esine Übertragung möglich ist.

    Erst wer sich traut, das Leben mit all seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeiten, zu akzeptieren, findet das Leben ehrlich schön.Das ist dann eine Schönheit, die Bestand hat, aus der man Kraft für den nächtsten und übernächsten und weitere Tage ziehen kann.

    Gruß Nordstrahl

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