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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

“Du bist da!”

Regenbogen 

„Du bist da!” - Schnell beförderte ich den Satz, der als Gedanke auf mich zuflog, mir also nicht als freudiger Ausruf des Erstaunens entfuhr, in eine Warteschleife. Der Computer offeriert dafür das nüchterne Angebot, den Text in die Aufgabenleiste rutschen zu lassen. Er ruht - ich „brenne”. Warum war er plötzlich da, dieser emotionalen Donnerschlag? - So beginnen häufig meine textlichen Abenteuer. Wohin führt es mich diesmal? Was geht da ab, was deutet sich da an, was soll das? Was versucht sich da einzubohren, reinzudrängen, einzuklinken, einzufädeln und auszubreiten? Warum das Ganze, beinahe wie aus heiterem Himmel? - Nun weiß ich schon sehr gut, was es bei mir auslösen kann. Warum schrieb ich ihn gerade in dem Augenblick, als ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigte? Unwichtig. Er hat mich inspiriert.  

Ich bin ein Läufer, ein Springer - jemand, der das spontane Tastenspiel liebt und sich von der nun schlafenden, aber immer noch präsenten Schreibmaschine an den PC verschlagen ließ. Ein Wort, etwas Musik, ein Satz - es genügt, um den Sprung ins Wasser zu wagen. Immer begleitet mich eine wohltuende Ungewissheit und unbändige Neugier.

Die Gier nach Neuem, auch nach abrupt „einfliegenden” Ansätzen, ist unbeschreiblich schön. Starten, „kreisende” Puzzleteile entdecken und um ein vages Ziel wissen. Kommt es anders (und das geschieht sehr oft) wirkt das Ganze wie das flitzende Aufblättern eines Fotos nach dem „Klick” - unbeschreiblich und „mächtig gewaltig”.     

Ich kann nur wenig damit anfangen, über Gedanken und Formulierungen zu brüten, die irgendwann einmal mit Text auferstehen. Es ginge mir dabei zu viel verloren. „Mit der Distanz” wächst keine Frische. -  Ich würde etwas lesen, dass sich von den Gefühlen und Gedanken längst entfernt hätte, die mich damals begleiteten. Es lässt sich nicht alles wachrufen und zurückholen. Selbst wenn ich an einem Romanscript „sitzen” würde, wäre es nur unwesentlich anders.   

Ich lasse nicht reifen - ich feile nur. „Gestochen scharf” ist für mich immer ein Wort, das ich beim Fotografieren intus haben muss - und an kritischen, wachen Betrachtern schätze. Jonglieren ist spannend und schärft die Sinne. Dagegen ist ein gestochen „aufgefüllter ” Text in meinen Augen ein versessenes Heischen. Wie ein Griff in die Trickkiste des Programms zur Bild-Bearbeitung. Ein starker Klang und ein Glanz, aber auch ein Völlegefühl - wie ein hakender Sprachfilm oder wie Stocksteife im weichen Sand.   

Gleich bin ich sicher gelandet. Tom Petty empfängt mich mit „Learning To Fly”. Vorbei das Schweben - nur noch ein Gleiten und Auslaufen. - Ja, er hat Recht: „Coming down is the hardest thing”. Hat sich zwischenzeitlich etwas ereignet? - Mich fröstelt, überwiegend an den Oberarmen, und mein Hund döst noch. Ein gutes Zeichen.    

Es ist alles gesagt: „Du bist da!”

© Mondreiter

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