Selbst wenn ich es nur zu mir selbst sage, glaube ich absolut nicht daran, dass manche Tage wie im Fluge vergehen. Alles, was zur flüchtigen Konversation gehört, klebt wie der Abendnebel über Feuchtwiesen und beleuchtet dürftig. Es kommt uns dann so vor, als würden wir uns nur mit wenigen Dingen intensiv beschäftigen und jeder Blick auf die Uhr erinnert an unsere Blicke zur Seite, aus dem Fenster, wenn wir schnell unterwegs sind und nur Huschen erhaschen. An solchen Tagen könnten wir uns zigmal dabei ertappen, wie wir irgendwelchen Dingen nachhängen.
Auch an solchen Tagen gibt es viel zu tun und es wird auch alles in Angriff genommen, was nach meinem Dafürhalten erledigt werden soll, aber ich lasse mich ständig sehr spät ins Bett fallen und wache mit dem Gefühl des Vortages wieder auf, dass einfach gar nichts dazu angetan ist, um es mit einem Anflug von Verzückung „Highlight” zu nennen. Ereifern kann ich mich schon - kann auch allerlei Missstände um mich herum beschimpfen, das auch. Warum nenne ich eigentlich Ereignisse nicht einfach Höhepunkt? - Ja, warum eigentlich? Ich merke schon wieder, dass es alles wieder viel zu weit führt.
Damit mich keiner falsch versteht: Es geht nicht darum, dass sich Tage fleißig aneinander reihen und mir „verquer” (ach, ist das ein herrliches Wort) im Magen liegen und das Oberstübchen vernebeln oder verrammeln, so dass Mancher spontan an Worte denkt, die mit „De” beginnen. So etwas wie Destabilisierung, Demontage, destruktiv oder De….nein, das ist doch etwas zu greulich. Nein, da presst nix - aber es passiert nichts von dem, was entzündet.
Es sind die Tage, die ich mit einer eigenen Gewichtigkeit - also der typischen Mondreiter-Abwägung - schlicht und einfach „Die fließenden Tage” nenne. Nicht mehr und nicht weniger. Kreative Nachschubtage vielleicht, Stunden voller Leichtigkeit - aber ohne das gewisse Etwas, das bei mir „da drinnen” für Unordnung sorgt.
Abspulen, was im Alltag abrollt, viele Dinge ordnen und zum Laufen anhalten - und sich manchmal auch nur davonstehlen. Ich lasse einfach etwas ruhen und vergleiche es mit dem Metzgermeister, der kurz die Tür zur Räucherkammer öffnet (gibt es heut` eher selten, gell) und die strammen Schinken begutachtet, wie sie in dem schwebend-schwelenden Rauch langsam verführerische Farbe annehmen. Appetithappen suchen, aber nicht vernaschen.
Ich bin also munter, aufgeweckt, guter Dinge - quäle mir kein Lächeln ab oder sehe mich in irgendeinem Fahrwasser, das Irgendwer oder Irgendwas für mich hat einlaufen lassen, damit ich mich darin haarsträubend austobe und abstrample. - Nein, nein , nein…..es geht mir gut in diesen Tagen. Ich lasse sie nur einfach so verstreichen und erteile mir Schreibverbot. Und es ist gut so.
Es geht mir so, als wenn ich gerade über eine politische Schweinerei nachdenke und der Gedanke daran, dass dies alles in diesem, unserem Lande möglich ist…der Gedanke also bildlich vor mir steht. Wie eingewecktes Obst oder Saft darauf wartet, dass man ihn in die „Warteschleife Speisekammer” schickt. - Ich fühle mich also behutsam in den Tag gesetzt und verschiebe „brennend”.
Dann bin ich wie ein Schwamm. Manchmal. Sauge einfach alles auf und glaube an die Auferstehung der Berieselung. Eine wunderbare Dusche - genau die richtige Wasserwärme. - Man merkt schon, dass es gewaltig, mächtig gewaltig brodelt. Merkte man das? Gut, dann bin ich auf dem richtigen Weg. - Ein Beispiel gefällig?
Na, aber heut` nicht mehr, Es ist jetzt 2.37 Uhr und ich habe gerade die Heizung abgedreht, weil die Nachtabsenkung den Heizkörper eh nicht mehr knallig heiß werden lässt und nur das Portemonnaie schröpfen würde. Herr und Hund ruhen gleich und werden die noch junge, neue Woche behaglich ratzelnd auf sich zukommen lassen. - Morgen früh, wenn…….ach, da gibt es auch so ein schnuckeliges Kinder-Schlaflied…..morgen früh, wenn Gott will…..wird uns der Wecker schon einen neuen Takt vorgeben. Auch Nüchternheit ist programmierbar…. selbst digital…..wie auch immer.
Nun sind wir wieder hellwach und gerade aus dem Park zurück, der zu zwei Dritteln von einem Kinderspielplatz eingenommen wird. Wir schlenderten also über einen Park-Randstreifen und fühlten uns nicht wirklich wohl. - Ach ja, ich bin noch ein Beispiel dafür schuldig, was an solchen Schwamm-Tagen auf mich zufliegt und erst einmal nur bleibt.
Vor einigen Tagen sah ich morgens aus dem Küchenfenster, weil es auf dem Hinterhof ungewohnt ruhig, nein, absolut still war. Lang anhaltend. Ich öffnete das Fenster. Ein herrlicher Oktobertag. Es waren nur wenige, laue und angenehme Lüftchen unterwegs. Leise brabbelnde Motorengeräusche in der Ferne. Ich schien der Einzige zu sein, der den Ausblick genoss, hinunter sah und auch den üppig gedeihenden und mit leuchtendroten Früchten überladenen Vogelbeerbaum hinter dem Hof bewunderte.
Ich wollte das Fenster gerade wieder schließen, als ich ihn bemerkte. Ich sah nur seinen halber Körper, der im Gegenlicht dunkel blieb - wie ein schwarzer, aufgeplusterter Kloß hinter der Windfeder des Dachgiebels verharrte. Der kleine Kopf ständig in Bewegung. Wenn er unmittelbar vor sich nach unten sah - und das geschah sehr oft, machte er den Eindruck eines Zaungastes, wie er im Buche steht. Wie ein neugieriger kleiner Geselle, der mit Blicken eine Welt erobern will.
Er machte keine Anstalten, seinen Logenplatz aufgeben zu wollen und fort zu fliegen. Er schien mir zufrieden, ausgeglichen, nicht übellaunig - eher neugierig-heiter. Es passierte also wieder einmal, dass jemand einen Anderen, der gar nichts dazutat, nur wegen einiger, flüchtig erhaschter Details einschätzte und von seiner eigenen Stimmungslage ausging. Putzig das Ganze. Putzig wie dieser Tag.
© Mondreiter
Geschrieben am 16. Oktober 2007 von Mondreiter
Kategorie: augenblicke


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