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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

“Heute schon an Oma gedacht?”

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Wer auf seine Oma zu sprechen kommt, ihr ein gedankenverlorenes Lächeln schenkt oder aber gerade daran denkt, sie doch - endlich - wieder einmal zu besuchen (auch das soll es ja geben), der kennt auch dieses Gefühl in der Magengegend - weil immer, wenn man sich an sie erinnert auch etwas Wehmut oder aber Freude….und auch springlebendige, klitzekleine Begebenheiten mitschwingen, die doch schon wieder „soooo viele Jahre” zurückliegen.

Ich nannte meine Oma immer nur Omi. Heute denke ich, dass ich deshalb Omi sagte, weil die Anrede „Oma” eben die kindersprachliche Koseform von Großmama ist. Vielleicht war es mein Unterbewusstsein, das mich liebevoll „Omi” sagen ließ. Von einer Großmama, da erinnere ich mich gut, wollte ich nie sprechen oder etwas hören.

Diese Über-Mama, so ein Bild hatte ich immer von einer Großmama oder Großmutter, war für mich deshalb undenkbar, weil ich in der buckeligen Verwandtschaft eine Dame kannte, die keinerlei Erklärungen abgab, warum die Enkel zu ihr Großmutter sagen sollten - die aber mit ihrem beharrlichen Bestehen auf diese Anrede eine gewisse „Unterwürfigkeit” ihrer Enkel sichtlich genießen wollte - und auch konnte, wie ich später erfuhr. Die gute Dame hätte mit mir, da bin ich mir ganz sicher, aber viel Freude gehabt.

Eine Oma, die der meinen „ebenbürtig” gewesen wäre, ist wie ein großer Kummerkasten, ein geduldiger Zuhörer und eine begnadete Tränen-Trocknerin. Sie kann aber auch, wenn sie denn muss, wie eine äußerst hartnäckig um Aufklärung bemühte Miss Marple auftreten und zurechtstauchen wie ein Karosserieschlosser, der auf Blech trifft. Omi war vor allem immer auch Vermittlerin und ließ ihre Enkel nicht im Stich.

Ihre Stube veränderte sich bis zu ihrem Tod nur geringfügig. Topfpflanzen sind nun mal irgendwann fällig, um frischem Grün oder jungen Blühern Platz zu machen. Auch als später Scheune, Stallungen und die große Diele des bäuerlichen Anwesens leer standen, blieb die urgemütliche Stube immer ein Raum voller Leben. Wir waren gern bei ihr. Sie konnte so herzerfrischend schmunzeln, verschmitzt lächeln und erzählen. Es war warm - nicht langweilig. Ich konnte meine Worte und Fragen loswerden und sie hörte zu.

Auch als wir nicht mehr Kinder waren, bestand sie für Heiligabend immer noch darauf, dass es immer auch eine Bescherung bei ihr gab. So standen wir dann, wie wir es „von Früher” kannten, erst im Flur, sagten ein Gedicht oder die Strophe eines Liedes auf und durften erst eintreten, wenn das Glöckchen uns hereinrief. Natürlich war der Kachelofen gut beschickt und wenn es tatsächlich für eine kurzen Augenblick still wurde, dann gab das Ticken der Wanduhr den Ton an. Etliche Bratäpfel zischten oder tanzten auf den heißen Kacheln und verbreiteten diesen unbeschreiblich zartherben Duft.Feuerwerk

Auch ihre Große Küche blieb im Ruhestand unverändert. Da durften wir als Jugendliche „selbstredend” oft unsere Sonnabend-Feten feiern und laute Musik schreckte höchstens die Mäuse auf der angrenzenden Diele auf, die zum ehemaligen Kuhstall und „raus auf den Hof” führte. Die damaligen, wunderbaren „Feuerwerke” eben. Die neuesten „Scheiben” drehten sich auf dem Plattenteller und später widmete man sich natürlich dem, was vorher unzählige Male als Musiktitel gewünscht wurde: „And Then I Kissed Her”.

Ein „altes Muttchen” begegnete mir neulich auf dem Gehsteig, nachdem ich aus dem Wagen gestiegen war, um an der Tankstelle Zigaretten zu holen. Ich hatte es eilig, denn die ersten dicken Regentropfen eines Fünf-Minuten-Gewitters (auch eine ganz neue Erscheinungsform) klatschten bereits wie Wassererbsen auf den Asphalt.

Sie schob einen Laufwagen vor sich her, kramte umständlich nach der Regenhaube und verlor dabei aus ihrem Gitterkorb ein buntes, säuberlich „zusammen geplättetes” Taschenbuch mit Rosenmuster und zartem Häkelrand. So eines hätte auch meiner Oma gehören können.

Ich hob es auf und brachte es ihr. „Danke, haben Sie vielen Dank”, sagte sie schon bevor sie mich anblickte. Dann drehte sie sich langsam um, aber ihre Augen waren weitaus munterer als erwartet - und musterten mich hellwach. Dazu schenkte sie mir ein offenes, ganz warmes Lächeln. Ich weiß nicht, ob es das war, was die Gedanken an meine Oma wieder einmal wachrufen konnte.

Vielleicht waren es auch ihre Worte zum Abschied: „Ihnen einen schönen Tag!”

© Mondreiter

2 Antworten to ““Heute schon an Oma gedacht?””

  1. Sehr schöne Gedanken, die du auch in mir wachgerufen hast. Leider habe ich von meiner Omi nur sehr wenig gehabt. Kann mich kaum an sie erinnern, aber ein sehr warmes Herz bekomme ich, wenn ich an sie denke.

  2. hallo lilly - jaaaa, ich bin wirklich dankbar, dass ich von ihr so lange etwas hatte. ich fühlte mich als kind auf dem bauernhof mehr zu hause als bei den eltern, die ackerten und rackerten….aber ihren kindern leider zu wenig zeit gaben….und wenig “liebe zeigen” konnten.*lächel

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