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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

“Kampagne geistiger Lynchjustiz”

Der Pranger erlebt in Deutschland eine Renaissance. - Ich kann nur zustimmen, wenn jemand angesichts der empörenden und widerwärtigen Kampagne gegen die ehemalige NDR-Tagesschau-Sprecherin, Moderatorin und Buchautorin Eva Herman von „geistiger Lynchjustiz” spricht und dazu aufruft, dass man sich ganz einfach vor diese Frau stellen muss.

Eva Herman hätte sich nicht einmal entschuldigen müssen, denn die von ihr gebrauchten Worte fielen lediglich deshalb, um Vergleiche anzustellen. - Stellung und Ehrung der Frauen und Mütter - gestern und heute. Die Familie - damals und jetzt. Deshalb kann man getrost darüber sprechen. Eva Herman (Foto, Quelle: Cicero) hat absolut nichts „verherrlicht”. 

Eva Herman 

Was geschehen ist - was war - lässt sich nicht herausreißen wie die Seite eines Stadt-Gästebuches, in das sich Adolf Hitler derzeit eintrug und das nach fünfzig Jahren (!) „bereinigt” wurde wie die Feldmark -  mit einer absolut lächerlichen Aktion. Passiert ist passiert - ist Geschichte.

Haben wir Äußerungen einiger unserer hochrangigen („das ist auch gut”) Politiker vergessen, denen etwas von ihrem “unbearbeiteten” Gedankengut mal eben über die Lippen sprang - die tatsächlich das Dritte Reich, die Machthaber und ihre Aktionen verherrlichten? Kaum einer trat in jüngster Zeit zurück - alle kleben weiter an ihrem Sessel.

Kaum hatte der NDR-Programmdirektor einen seiner fähigsten und kreativsten Köpfe gefeuert (das könnte noch Kopfschmerzen bringen), da ließen einige Politikerinnen recht tölpelhaft durchblicken, dass sie sogar  Frauenrechtlerinnen sind und spotteten und lästerten, dass es eine Pracht war. - Sie wussten sogar, wie es in Sekten zugeht und hätten Eva Herman noch „wer weiß was” abgesprochen, hätte man so viele Druckzeilen für sie reservieren können. - Wenn es um Spott geht, scheinen diese Damen nur „unterste Schubladen” zu kennen. Keineswegs bundestags-tauglich.  

Es bleibt zu hoffen, dass sich der gesunde Menschenverstand doch noch aufpäppeln läßt. Beschäftigt man sich mit der Machart der Kampagne selbst, dann scheint dieser gerade fortgeweht - also abgängig . - Ich sollte jetzt an Nichtiges denken. - Ich denke an Wind.

© Mondreiter      

5 Antworten to ““Kampagne geistiger Lynchjustiz””

  1. Das “Problem” ist nicht der direkte Vergleich mit der Nazizeit, sondern daß Frau Herman eindeutig eine “Frauen heim ins Reich” - und damit meint sie Küche, Kinder und vermutlich noch Kirche - Strategie propagiert.
    Es liegt aber nicht an der Halbzeit- oder Vollzeit arbeitenden Mutter , wenn es einer Familie an Wärme und Gemeinsamkeiten mangelt. Es liegt am grundsätzlich ( um mal in der Herman’schen Einfachheit der Formulierungen zu bleiben) fehlenden Respekt voreinander und an der Unfähigkeit zum “Miteinander”. Das fängt im Kleinen an und endet (oder beginnt?) mit dem fehlenden Respekt des Staatsapparates gegenüber seinen
    Wählern.
    Es hätte für Frau Herman genügend andere, politisch unverfängliche matriarchalisch geprägte Gesellschaftsstrukturen gegeben, die sie hätte anführen können, um den heutzutage oft fehlenden Respekt gegenüber Nur-Müttern deutlich zu machen.
    Für mich wäre zum Beispiel ein Hinweis auf die noch immer extrem hohe Wertschätzung der italienischen Mütter und der großen Bedeutung der Familie innerhalb der italienischen Gesellschaft viel naheliegender gewesen (auch wenn’s da auch langsam bröckelt).

    Fakt ist, daß sich im entscheidenden Moment die Dinge auf die Lippen schleichen, mit denen man sich innerlich beschäftigt. Bei Frau Herman schimmert da ein Farbton durch, den ich nicht akzeptiere. Dazu kommt, daß ich es absolut unglaubwürdig finde, wenn eine viermal verheiratete, karrieregeile Spätgebärende auf einmal anfängt, vom gottgegebenen Lebensziel der Frau zu faseln.

  2. Hallo Mondreiter,
    Majoky hat die Worte gewählt, die mir vorgestern vielleicht nicht so klar über meine Tastatur kamen.

    Obwohl Eva Herman in der Vergangenheit bei mir wenig Beachtung fand, beschäftige ich mich seit dem Bekanntwerden ihrer Kündigung vom NDR, so als stünde sie mir nahe, als wäre ich ein Fan von ihr.
    Vielleicht war es ihr freundliches kindliches Gesicht, das uns Zuschauern vom Bildschitm aus ansah.

    Wir konnte ihr das nur passieren? Wie konnte sie nur so den Boden unter den Füßen verlieren?
    Ich wünschte, es wäre ihr nicht passiert, dann würde man sie jetzt nicht zum geistigen Schafott tragen.

    Eva Herman erlebt wohl den ersten großen Crash mit Totalschaden ihres Lebens. Das heißt, sie muß wieder ganz von vorne anfangen, ihr Leben komplett neu aufbauen.

    Das die Familien in der heutigen Gesellschaft nicht mehr das sind, was sie mal waren, hat viele Ursachen. Dass berufstätige Frauen keine Mütter sein könne, daran liegt es sicher nicht und einen Idealzustand wird es niemals geben. Es gibt eine Menge zu den heutigen Familien zu sagen, dass kritikwürdig ist und jeder muß neue Wege finden, dass die Familien wieder zur kleinsten Gemeinschaft der Gesellschat zusammenfinden kann.

    Ich hoffe für Eva Herman, dass sie wieder einen Weg aus der Sackgasse findet.

    Gruß Nordstrahl
    (PS: Ich selbst erlebte am eigenen Leibe einen ähnlichen Absturz mit anschließendem Spießrutenlauf. Damals war ich am Boden zerstört. Aus heutiger Sicht war dieser Absturz eine wichtige Schule für mich. Sie hat mich reifer, erwachsener und verständnisvoller gemacht.

    Im Yoga sagt man - es gibt kein Schicksal, sondern nur eine Korrektur. Weicht ein Mensch zu weit von “seinem Lebensmuster” ab, dann wird es mit einem “Schicksalsschlag” aus der “falschen” Bahn geworfen, nur so kann er wieder zu sich zurück finden.

    Ich weiß, es ist nicht einfach, Menschen leiden zu sehen und das was jetzt mit Eva herman passiert, ist großes Leid.. Doch der Chrash holt Eva Herman wieder auf den Boden der Realität auf nicht nur für sie schmerzvolle Weise wieder zurück, denn ihr Partner und ihr Kind sind auch noch da.

    Dir noch einen schönen Tag

    Gruß
    Nordstrahl

  3. @majoky: Mir scheint eher, dass du selbst ein großes Problem hast. Man sollte sich nicht in ein “Fahrwasser von Abfälligkeiten und derben Einschätzungen und Beleidigungen” begeben, um einen Rundumschlag zu starten. - Ich hatte von dir schon etwas mehr erhofft und erwartet.
    So eskaliert es (und das meinte ich mit dem Hohngelächter einiger Frauen) - komisch - immer dann, wenn bestimmte Frauen eben auf “andere” Frauen stoßen oder auf die “Sorte Mann” (Bezeichnung stammt von einer Feministin), die diesen Damen mal wieder (wirklich) ihre Grenzen aufzeigt. Beide Sorten gibt es. Und das ist gut so.

  4. Hallo Nordstrahl,

    ja, da stimmt sogar, es gibt diese Facette ihrer Ausstrahlung tatsächlich. Ich habe bis heute nicht einmal eines ihrer Bücher gelesen, wohl aber die Verfilmung des Buches “Dann kamst du”. - Da immer etwas Autobiographisches mirschwingt oder begleitet, kann es durchaus sein, dass es bei ihr immer auch eine tiefe Sehnsucht nach dem gibt, was sie bis dahin nie leben konnte - nach Familie usw.! - Was sagt aus, dass man den vierten Sprung in die Ehe vollzogen hat? Gar nichts.

    Dazu wird sich “eingeschlichen” haben, dass sie ihren Alltag betrachtete - und den Alltag vieler Menschen heute. Wie ich mal darüber geschrieben habe, was aus der “neuen Lebensform Single” geworden ist. Ich kann nur unterstreichen, dass heute ein “anderer Schritt” (ein unverwechselbarer) vorherrscht, wenn es eben um Karriere - die Leiter ins Ungewisse geht. Viel hat sich - hat uns verändert. Aber auch krank gemacht.

    Und mit all diesen Dingen sind wir eben auch bei dem, was Eva Herman sagte, anprangerte, bemängelte und als bedrückend empfand.

    Man hat sie in eine andere Ecke gestellt. - Da gehört sie nicht hin. Deshalb “geistige Lynchjustiz”.

    LG Mondreiter

  5. Hallo Mondreiter,

    leider reagiert die Öffentlichkeit anders als ein kleiner Kreis. Eine Brandmarkung geschieht dann schnell und unwiederruflich.
    Als Rostockerin kann ich ein Lied davon singen und die Lichtenhägener von Rostock auf jeden Fall. Die Brandmarkung wird man nicht mehr los und Lichtenhagen geht als Ausländerfeindlicher Stadtteil in die Geschichte ein.
    Heut ist der Stadtteil und einige andere auch - bevorzugt die Neubauwohngebiete - multikulti. Alle leben freidlich nebeneinander. Doch die Brandmarkungs hebt sich dadurch nicht aus.

    Was Eva Herman lebte und lebt noch in der Illusion der heilen Familie. Es gibt sie nicht, denn jeder, der in die Familienwelt eintritt,also Verantwortung dafür übernimmt, steht am Anfang. Das hebt die Gesellschaft nicht auf.Sie sorgt dafür, dass niemand wirkliche Not leiden muß und damit ist den Familien ein wesentlicher Druck genommen.

    Was heut noch fehlt, ist die Bewußtheit. Sie entwickelt sich nicht automatisch, nur weil man Kinder in die Welt setzt. Die Auswirkungen des Wohlstandes waren ungeahnt. Damit hatte niemand gerechnet, das Wohlstand auch zu einer Art Verwahrlosung führt.
    Ich glaubte - in Zeiten der Geldknappheit - dass ich, wenn ich die materiellen Wünsche meiner Kinder (3) erfülle, erfülle ich ihre Herzenswünsche. Darin liegt wahrscheinlich der Irrtum vieler Eltern.

    Die gegenseite Zuwendung sollte in unsere fortgeschrittenen Gesellschaft wieder Fuß fassen, denn ohne sie geht es nicht. Das zeigt ja die Entwicklung heut auch.

    Eine Psychoanalytikerin fand heraus, das der Rechtsradikalismus zum Teil aus der vaterlosen Gesellschaft erwachsen ist. Söhne, die ihre Väter vermißten,suchen jetzt ihr “Heil” (abgeleitet von heilen) im Vaterland. Eine Illusion von Vater - lupenreinen Vater - sauberen Vaterland und da stören Ausländer ihr Bild von sauberen Land. Sie sind wegen ihrer seelischen Einsamkeit ihre männlichen Seite so cool, dass sie nach außen absoltute Härte präsentieren müssen. Jede Eskalation mit dem Staat gibt ihnen die Zuwendung, nach der sie sich schon so lange geseht haben.

    Du siehst allein schon an diesem Problem, dass die Kampane “Mütter an den Herd” das Problem, was Eva Herman aufgreift, nicht lösen kann, denn die Mütter am Hernd ersetzen nicht die verloren gegangene Väter.

    Ich hoffe für Eva Herman, dass sie das beste aus ihrer Situation machen kann. Das Schicksal wollte, dass sie sich wieder auf den Boden der Ralität stellt. Wenn dieser “Nazi-Ausschweif” nicht gewesen wäre, wer weiß, irgend wann hätten die (rechten) Rechten sie geholt. Denn sie war ja wschon nah dran, bei ihnen einen Vortrag zu halten.

    Gruß Nordstrahl

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