„Obwohl ich deine Schönheit nur anhand deiner feingliedrigen, mattfarbenen Lamellen erahnen kann und du dein scheinbar farbenprächtiges Gesicht vor mir versteckst, so sah ich doch die leuchtenden Augen der Betrachter, die des Weges kamen und dich erblickten. Ihre Gesichter sagen mir, dass deine Schönheit durch scheinbar wechselndes, fließendes Farbenspiel und das Halbdunkel des Waldes so prall zur Geltung kommen dürfte. Ja, ich weiß, ich weiß - wie ich das erahnen kann, willst du fragen. - Ergibt es einen Sinn für uns, wenn ich anmerke, dass du von mir, mit mir - vielleicht durch mich lebst? Deshalb lache die Leute nur immerfort an und erfreue dich daran, denn dir sind nicht viele Tage überschwänglicher Freude gegönnt. Ist es nicht irgendwie beglückend zu wissen, dass du ein Teil von mir bist und mir angenehm die Stirn kühlst? Die pralle Sonne ist Gift für mich - in meinem Alter. Außerdem bin ich schon derart gezeichnet und verstümmelt. Sie dörrt mich aus wie einen Fisch, macht mich bröselig. - Lach` nicht - es ist wie es ist. Eines aber hat mir niemand nehmen können - und zwar meine Würde. Ich darf immer bei meinen Wurzeln bleiben. Aber vergiss nicht, dass du mir sehr viel gibst. Nämlich Schatten und Feuchtigkeit auf die Haut. - Schau`, da fotografiert dich einer. Was gäbe ich dafür, nur einmal dein Gesicht zu sehen! - Ich weiß schon, was du sagen willst: Als ob das so oberwichtig wäre!”
© Mondreiter
Geschrieben am 10. September 2007 von Mondreiter
Kategorie: momente

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