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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

Blicke - Augen - Augenblicke

Blick  Tag für Tag fangen wir viele Blicke auf, ziehen immer auch Blicke auf uns und schauen uns selbst um - nehmen viele Personen ins Visier oder mustern sie beiläufig. Alle Augenpaare verraten uns Dinge, die wir entweder deutlich an deren Gesichtern ablesen können, die wir vielleicht auch nur erahnen dürfen und für uns selbst bewerten können. Oft vielsagend - oder nichtssagend. Der Tag ist damit auch voll von knappen und subjektiven Bemerkungen, die unausgesprochen bleiben oder leicht über die Lippen gehen - aber überwiegend für das eigene Kämmerlein gedacht sind. Eine fragwürdige Eigenart, die manchmal mit wenigen Worten für viel Vermutung und Abneigung daherkommt. Das hat häufig mit „hui” oder „pfui” zu tun, macht sich also an Aussehen und Ausstrahlung gesehener Personen und bisweilen auch anderer Sachen fest. Menschen sind so.

Täglich heißt es auch für mich, eine ganz bestimmte Ampelanlage zu passieren. Dieses Fleckchen Erde hat es, gerade wenn es um Blicke geht, wahrlich in sich. Innerhalb weniger Augenblicke gehen hier Blicke auf die Reise, die, wenn ich die Gesichter dazu sehe, erst kurz zuvor - und irgendwie - besonders gezeichnet und verändert erscheinen. Irgendwann fiel mir ein, dass Augen verzaubern und entzaubern können - und dann auch irgendetwas wegzaubern müssen. - Für Betrachter pulsierenden Lebens ist es ein bezaubernder Ort, aber die meisten Augen sagen etwas anderes.

Nicht alle Personen, die auf dem Gehsteig nahe der Bushaltestelle verweilen oder verhalten auf und ab schlendern, kamen aus dem großen Haus mit den großflächigen Fenstern - die breite Steintreppe herab, die direkt unter der Hausecke liegt. Einige von ihnen gelangten über die U-Bahn-Treppe hierher. Immer kommt es mir so vor, als müsste die Mehrzahl der Personen, die dieses Krankenhaus am Cityrand der Stadt betreten wollen oder ihm gerade den Rücken gekehrt haben, erst einmal verschnaufen.

Hier sprang mir ein ganz bestimmter Blick ins Auge, der uns absolut nicht unbekannt ist. Trotz allem fiel dieser besagte Blick eine Nuance mitreißender aus. Wenn sich das Mitreißende auf Desillusion bezieht, trifft es wohl den Kern.

Eine Frau mittleren Alters steht am Fuße der Treppe - ganz in Gedanken. Sie schaut kurz nach unten. So, als müsste sie sich vergewissern, dass sie in der einen Hand die alte Einkaufstasche - und in der anderen tatsächlich auch das Einkaufsnetz bei sich hat, in dem einige Apfelsinen und Äpfel beieinander sind. - Obwohl ich im Auto sitze und mir sicher bin, dass sie mich nicht erblickt hat, bleibe ich beim Hinschauen aus den Augenwinkeln.

Sie scheint niemanden um sich herum zu bemerken. Dann schaut sie zur anderen Straßenseite hin - beinahe über die Motorhaube meines Wagens hinweg. Ich wende leicht den Kopf und blicke eben in diese Richtung, direkt auf die Einmündung zu einer schmalen Stichstraße. Keine Besonderheiten, keine Auffälligkeiten - nichts Kurioses oder Weltbewegendes. Ein “Rein-gar-nichts” bekommt einen langen Blick.

Ein vermeintlich leerer Blick trifft auf scheinbar Nichtssagendes. Es scheint, als ob Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht - all das, was uns aus der Bahn werfen kann - einen lang verharrenden Blick auf etwas heraufbeschwört, was irgendwie wohltuend ist - mit Beinahe-Stillstand und Ruhe zu tun hat.

Ich konzentrierte ich mich dann nur darauf, an etwas völlig Nebensächliches zu denken. Wie schrieb Truman Capote: „Denk an etwas Nichtiges - denk an Wind.”  

© Mondreiter

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