Ich muss doch einmal eine Umfrage starten, ob sich jemand mit Zeitfressern auskennt. Mir wurde vor kurzem zu Ohren gebracht, dass sie sehr nervig sein sollen. Knabbern ständig an freien Minuten anderer Leute herum und verkürzen bisweilen auch die Mußestunden – und zwar „ganz erheblich“, wie man mir versicherte.
Nun will ich die Zeitfresser nicht verdammen und weiß nicht einmal wie sie aussehen, ob sie mir vielleicht nur einen Schreck einjagen können (oder Golfo) – ob sie allein auftreten und wie die Lemminge das Weite suchen. Vielleicht sogar Mondeinflüssen unterliegen? Oder sind es gar gefährlichere Gesellen, die sich festbeißen können? Ekelhaft krallen und saugen?
Aber ich bin ja immer guter Dinge und frohen Mutes – manchmal auch samt Schalk im Nacken unterwegs - habe auch einige, gar vortrefflich fesselnde Gleis-Geschichten zu erzählen. Sogar von einer Schwellen-, Weichen- und Schotter-Idylle weiß ich hin und wieder zu berichten. Ob mir das helfen kann? Vielleicht kann ich sie damit ablenken!?
Um Ruhe zu verbreiten, nehme ich zunächst einmal an, dass Zeitfresser possierliche Tierchen sind, die sich nur nicht darüber im Klaren sind, ob sie immerwährend fressen oder schon mal ein Kuschelpäuschen einlegen sollen. Wenn sie „allerliebst“ sind, wie meine Oma immer zu sagen pflegte, dann könnte ich mich sicher an sie gewöhnen.
Kennt ihr diese geheimnisvollen Nager und Festbeißer überhaupt? Ich will allerdings nicht hoffen, dass sie wie Vampire auftreten und – knaps-knaps (soll das Nagegeräusch darstellen) – mir alles weglöffeln, was ich mir vielleicht an Freizeit angehäufelt habe. Das dürfen nämlich nur ganz liebe, nette Leute. Stellt euch mal vor, dass ihr jemandem nachts begegnet, der jammernd an euch vorbeiläuft und klagt: „Blut weg, Blut weg!“ – und er humpelt weiter. „Nun gut“, sagt ihr euch dann, „soll er sich doch besser schützen und einen Halsmieder anlegen!“ Aber ein Zeitfresser wird anders zuschlagen. Ich stell mir das so vor, dass ich festen Schrittes, aus der Dunkelheit kommend, auf eine funzelnde Laterne zugehe. - Ferner hätte ich gute Laune und würde ein lustiges Liedchen pfeifen – in der Hand die glimmende Zigarette.
Muss ich mir das dann so vorstellen, dass ich immer (obwohl ich ja gehe) auf dem gleichen Fleck bleibe, die Zigarette nie ausgeht und das Liedchen ständig über die Lippen sprudelt? Denn da hinten wird mir ja Zeit weggeknabbert. Ist es ein Denkfehler – alles gar ein Ammenmärchen?
Es wird wohl so sein. - Niemals wird mir etwas geschenkt.
© Mondreiter
Geschrieben am 9. September 2007 von Mondreiter
Kategorie: nachtgedanken

Kommentar abgeben