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Unerklärliches hat viele Namen - Phänomene haben noch mehr….Umschreibungen

“Schwipp Schwapp” - die ganze Schwägerschaften-Sause

Schiff

Es schwippt, es schwappt - und schwankt.

Ständig kommt uns unter, dass sich in allen Gesellschaftsschichten viele Leute tummeln, die voller Inbrunst von verlorenen oder beinahe gewonnenen Scheidungsschlachten berichten. Es handelt sich wohl um ein ständiges Kommen und Gehen - um Pilgerfahrten zum Scheidungstisch, auf dem alles ausgebreitet wird, was in Ehe, Familie und dem erweiterten Kreis der Verwandtschaft ein Desaster heraufbeschwört hat. Gang und gäbe ist, dass auch verzweifelt versucht wird, etwas unter diesen Tisch zu kehren.     

Es entwickeln sich also listreiche und bisweilen auch schon mal folgenschwere Fehden, in deren Verlauf viele Personen von Freundes- und Verwandtschaftslisten gestrichen werden; günstigstenfalls in einer Warteschleife landen. Dann nämlich, wenn ein Paar alle gemachten Aussagen durch den Reißwolf jagt, den Reset-Knopf entdeckt und beim Durchsehen des Müllberges entdeckt, dass mit einem Blitzstart noch ein Neuanfang zu machen ist. Dann sind auch alle Schwägerschaften sofort wieder Feuer und Flamme

Sofern vorhanden, erschienen mir immer die halben Schwägerinnen und Schwager am wenigsten gefährdet, unter Fehden, Trennungen und gerade geborenen Lebensfeindschaften zu leiden oder sich aus dem Staub machen zu müssen. Hier konnte durchaus noch eine „Bunte Beziehungs-Sause” existieren, während sich der Rest zweier Familien bereits mit übelsten, modrigen Brocken bewarf. Man kann ihnen deshalb ruhig den Namen des Getränkes „Schwipp Schwapp” geben, um sie genau zu definieren. Ich meine also alle, die sie da herumschwippen - die Schwippschwägerinnen und Schwippschwager.     

Damit nicht genug, gibt es auch das deutsche „Entfernte Schwagerschaftsverhältnis” - wobei Verhältnis nicht Beziehung heißen muss. Diese Entfernungen in engsten Familienkreisen sind erfahrungsgemäß sehr weit gesteckt, was bei Großfamilien kein Wunder ist. Jetzt kommen nämlich Geschwister, Onkel und Tanten des Schwiegerkindes, die Onkel und Tanten des Gatten (Schwiegeronkel, Schwiegertante) - ja sogar die Eltern des Schwiegerkindes, also die Schwiegereltern des eigenen Kindes, terminologisch korrekt also eigentlich die „Gegenschwiegereltern” mit ins Spiel. - Es ist klar, dass dies zu einem bunten Treiben, bei Fehden und Schlachten zu einem bedrohlichen Flächenbrand, manchmal aber nur zu einem ewig schwelenden oder schlafenden Konflikt führt.

Ich kann absolut nicht verstehen, dass in dieser Sumpflandschaft, die hin und wieder leichtfertig als  „Knet-Verwandtschaft” verschrieen wird, jemand die Übersicht oder die Orientierung verliert. Schließlich haben wir hier mit dem Fremdwort „Etymologie” einen ortsfremden Helfer gefunden, der uns ganz feste Nenner aufzeigt, an denen wir uns wieder aufrichten können und einen genauen Einblick in die ganzen, auch wahren Familien bekommen.

Wir erfahren jetzt, dass es auch eine volksetymologische Interpretation von Schwägerschaften und dem ganzen Schwipp und Schwapp gibt. - Diese Auslegung schließt die Vorsilbe „Schwipp” an ein fiktives Verb an (an was auch sonst); also an die Verben „schwanken” und schwappen”. Wir sehen auf den ersten Blick, dass es auch in anderen Familien schwanken kann und dass hier und da schon mal was überschwappt - wie die Hochzeitssuppe auch.

Dem „Hin und her schwanken”, das mit „schwippen” gemeint sein soll, trägt der Begriff „Schwippschwägerschaft” insofern Rechnung, als bei dieser Personenbeziehung - ich sagte es ja schon - von der Richtung, in welche die Schwägerschaft zielt, leicht abgewichen wird. Beide Beispiele zeigen, dass man die Abweichung „mal so herum” und „mal anders herum” (gewissermaßen „schwipp” und „schwapp”) betrachten kann. - Was lernen wir daraus?

Genau: Der Bruder des einen Partners ist gleichzeitig Schwager des anderen Partners (Anmerkung: Wer immer dabei auch die Frau sein mag) - und deshalb auch Schwippschwager der Geschwister des anderen Partners. Analog ist die Schwester des einen Partners gleichzeitig Schwägerin des anderen Partners und Schwippschwägerin der ganzen Geschwister des anderen Partners.

In Wirklichkeit, so machte ich mich schlau, dürfte es sich jedoch entweder um eine Verkürzung aus dem Wort „Schwester” handeln („Geschwisterschwager”) oder um eine Reduplikation des Anlauts von „Schwager”. - Sehr interessant.

Rechtlich zieht man allen den Zahn, die in dieser „Bunten Schwipp-Schwapp-Sause” nur eine unbefangene Zufallsgemeinschaft sehen. Obwohl es durchaus der Fall sein kann, was auch unzählige, tolle Feten schon bewiesen. Vor dem deutschen Richter haben aber die Schwippschwäger keinen Anspruch auf ein Zeugnisverweigerungsrecht, während im EU-Recht etwas anderes zur Geltung kommt. Hier gelten Schwippschwäger immer als befangen und sind voreingenommene Personen. Sie scheinen also nicht ohne zu sein, diese Schwankenden. - Deshalb baute man hier vor.

Wir sehen aber auch, dass uns ständig verziehen werden muss, wenn wir bei der Suche nach der kompletten Nahen- und Entfernten-Schwägerschaft den Gegenschwiegereltern in die Arme laufen und ein Floß zum Schwanken bringen, auf dem wir hin und herschwippen. - Immerhin ist der Mensch ständig ein Ratsuchender, aber vergesslich ist er auch.

© Mondreiter   

Unauslöschliche Momente

Zarte Berührung 

Unauslöschliche Momente lassen sich nicht wegschließen, aussperren, ausradieren oder in Schubladen legen. Sie sind angenehm hartnäckige Begleiter oder sie holen uns ein, wann immer sie wollen - und schleifen oder reißen uns mit. Einmal wachgerufen, rütteln sie uns wach - und dann vielleicht auch ganz ordentlich durch; machen uns aber auch weich und „atemlos” oder legen sich vielleicht wie die Morgenkühle, wie Balsam, auf die Stirn.

So oder so: Sie sind immerfort “mit uns” und gehören zu unserem Rüstzeug für das Leben, nach dem Erleben - sind oftmals Einzelgänger, und schreien uns an oder flüstern uns zu. Und dann - ja, dann tauchen sie in ein und demselben Gedanken-Puzzlespiel für diesen einen Bruchteil unseres Lebens wieder wie eine kleine, schnatternde Comic-Rasselbande auf und überschwemmen uns mit Reizen aller Art.

Verdrängte, nicht verarbeitete Momente sind wie Kletten oder lustige, grellbunte Springbälle und wollen uns in ein lauschig-warmes Heim tragen - oder uns nochmals piesacken und mit Giftpfeilen oder Spitznadeln malträtieren, Narben aufreißen oder Schorf abkratzen. Sie sind Blutsauger, Schmeißfliegen oder schillernde Schmetterlinge.

Was sie für uns tatsächlich sind und bleiben, welchen Stellenwert sie haben und wie sie sich nach vielen Jahren anfühlen - dieses ehrliche Werten übernimmt in vielen Fällen unser Unterbewusstsein. Schmerzhaft wird die Rückbesinnung immer dann, wenn wir zu kaschieren, zuzudecken versuchen - wenn wir einen Mantel über etwas ausbreiten wollen, was einfach sichtbar und unverfälscht bleiben muss und nicht verkramt werden sollte.

Wenn wir auch entdecken, dass mit dem Erinnern an besondere Momente immer Bilder und Gefühle auferstehen, die mit der Distanz oft weicher gezeichnet und musikunterlegt scheinen, sich wie geschmeidig schwingendes, feinhaariges Wassergras dem Unterwasser-Tanz von Bewegung und Verwirbelung hingeben und pure Ästhetik aufstehen lassen; so ist nicht alles angenehm und ruhig fließend.

Denn immer gab es auch diese Steine, die nicht nur auf das Wasser schlugen. So laut, so hart und so schmerzhaft, von Vibration und Schmerz begleitet, als wäre etwas gegen die Wand gefahren worden, als hätten sich eiserne Torflügel den Launen von unberechenbaren Sturmböen hingeben müssen; hätten den gesamten Spielraum ihrer Aufhängung ausschwingen können und wären, irgendwann oder kurz darauf, Schloss gegen Schließblech, aufeinander getroffen; beinahe der Wucht des Momentes zum Opfer gefallen. - Es gab diese Momente, wo man völlig hilflos war; als wenn ein Stahlstift niedersaust und hartkalt lächelnd eine Münze prägt.             

Weißt du noch - damals….? - Alle wach gerufenen oder urplötzlich auf uns einbrechenden Stationen unseres Lebens werden von den Beteiligten fast immer anders gesehen, gefühlt und erlebt. Wenn wir Glück haben und davon zehren, ist immer eine gewaltige Portion Harmonie im Spiel.

Achten wir darauf, dass wir mit dem Erinnern nicht die vagen Vermutungen der „Euphorie des Augenblicks” in den Rachen schmeißen und zu Buschtrommlern werden. Es wäre ein Moment zum Abgewöhnen.

© Mondreiter

Hat man dich erst einmal “abgebrüht”…….

Hartz IV
…..zählt nur noch deine Hausnummer (Bedarfsgemeinschaft)
                                  
                                   So weit sind wir schon gekommen:

Arm  m i t  Arbeit wirst du !

Arm  o h n e  Arbeit bleibst du !

© Mondreiter

Erzählung “Gerädertes Verlangen”

 Alte Brücke

Rangierbahnhöfe sind faszinierend wie das Leben. Diese breiten Gleisstränge, diese  unübersehbaren Signale - welche Ordnung, welch geniale Weichenstellungen, alles funktioniert. Aber wehe, jemand wird abgelenkt oder „gerädert”. Ob auf diesem Areal, oder im Leben selbst.

Da es oft Kleinigkeiten sind, die alles wieder in die Hand geben können und rechtzeitig wach machen, uns vor allem hellwach halten können, schreibe ich momentan an einer Erzählung mit dem Arbeitstitel „Gerädertes Verlangen”.

Es ist die „Halbtages-Geschichte” eines Mannes, der als Projektleiter sehr viel Erfolg hat. Er heizt die Motivation seiner Mitarbeiter mit Dingen an, die ihm in seinen kurzen „Kreativpausen” tagtäglich über den Weg laufen und allen Beteiligten helfen. Welche Fragen bleiben?      

Der Hintergrund:

Wohin wir auch schauen und in welche Richtung wir gedanklich auch immer wandern mögen: Überall entdecken wir unermüdliche Räder, die präzise arbeiten - ganze Räderwerke faszinieren uns, obwohl sie natürlich immer etwas von Abhängigkeit, vom Unterordnen, vom Dienen oder auch vom „Dienst an einer Sache” erzählen. - Mit jedem Tick, mit jedem „Klick”, kann man sich aber mit der Zeit auch darin und daran „verlieren”. Schließlich arbeiten die Räder überall, nicht nur im Beruf. Die Freizeit gibt uns auch viele Fesseln für die Hände und den Kopf. - Auftragsbündel fliegen auf uns zu, Zeitfenster töten Seitenblicke, die Konzentration steht am Fließband - Funktionieren ist Pflicht. - Und: Irgendwann braucht man immer mehr weiche Sandkörner am Strand, unter den Füßen, um nicht an den Rand gespült zu werden. - Das Verlangen ist gerädert.

© Mondreiter

Die “Vergewaltigung” kurz vor der Rente

Leierkastenmann 

 Rentner sollten auch Sammeln gehen! Sie haben es nötig!

Wenn alles in bester Ordnung ist und prickelnd ästhetische Erotik sich berauschend „entblättert”, wenn sich also jemand auszieht, wenn man sich vielleicht gegenseitig langsam oder Hals über Kopf, also Knall auf Fall und ohne Rücksicht auf Knopf und Naht, die Kleidung vom Leib reißt - dann ist eben alles erlaubt, dann ist alles gut. Verhält es sich anders und etwas davon geschieht gegen den Willen einer Person, dann - ja, dann wissen wir alle, dass ein Vorspiel eben auch ein fatales Nachspiel hat.

Dann sprechen wir von Ohnmacht, von Bestrafung - von verabscheuungswürdigen Exzessen. Von politischer Folter soll nicht einmal die Rede sein. Sie vollzieht sich heute zwar auch nicht nur in „unzivilisierten Gegenden”, aber das soll hier mal ausgeklammert bleiben. - Worüber könnten wir hier dann reden, wenn wir „eine Art von Vergewaltigung” meinen?

Nun, es betrifft Menschen, die 63 Jahre alt sind und eigentlich in zwei Jahren in Rente gehen möchten. - Das ist auch nicht ganz richtig, denn vorher dürfen sie noch „vergewaltigt” werden. Jawohl, sie dürfen zwar noch wählen und durften diesen Staat vor Jahrzehnten mit aufbauen, sie blicken auf ein arbeitsreiches Leben zurück, aber nun sind sie „wie wertlos” und müssen auch dafür noch selbst aufkommen. - Richtig gehört! All das geschieht in diesem, unserem Land. Allerdings „irgendwie heimlich” - von Deckmänteln abgeschirmt.

Wer ALG II-Empfänger ist, also nicht mehr als ein „Hartz-IV-er”, und nach dem 1. Januar 2008 nun 63 Jahre alt wird, der darf eigentlich schon die Rente beantragen. Mit Abschlag natürlich - und zwar für jeden Monat, den man sich früher verabschiedet, mit einem Abschlag von 0,3 Prozent des zu Buche stehenden Rentenbetrages. - Für 2 Jahre macht das also 7,2 Prozent!

Nun ist es nicht etwa so, dass diese 7,2 Prozent einmalig, also vielleicht im Eintrittsmonat abgezogen werden. - Nein, 7,2 Prozent weniger, und zwar „lebenslänglich”!    

Nun könnte man argumentieren, dass es nicht mehr als recht und billig ist, dass es einen Abzug gibt, wenn jemand früher in Rente gehen will. - Normal schon, aber was von dem ist heute noch normal, was früher zur Achtung der Menschenwürde gehörte?

Also, weit gefehlt: Die meisten von ihnen wollen noch gar nicht in Rente gehen, obwohl ihnen auch diese zwei Jahre allerhöchstens 10 Euro mehr auf den Rentenbescheid bringen werden. Deshalb bringt es ihnen auch gar nichts, sich damit zu beschäftigen, früher in die Rente „abzutreten”.

Dieses Engagement einer „Vergewaltigung” obliegt ab 1. Januar den zuständigen JobCentern. - Die Damen und Herren bekommen zum Dreiundsechzigsten von dort die

Aufforderung, sofort in Rente zu gehen!!!

Klartext: Man zahlt ihnen  n i c h t s   d a f ü r, dass sie der Statistik auf die Sprünge helfen und das JobCenter für jeden Betroffenen zwei Jahre lang nichts mehr zahlen muss - nein, man nimmt ihnen 7,2 Prozent der gesamten Rente weg - sie zahlen die Zeche SELBST.

„Das gibt es doch gar nicht” - aber bei uns ist es möglich.

© Mondreiter  

Nonstop-Abwasch-Nonsens

Abwasch 

Kann man eigentlich sagen: „Unsere Sprache unser Schicksal?” - Wer sich gesund ernährt, wird es unbedingt bejahen und auf einen Buchtitel verweisen, der uns ganz schnell, so Knall auf Fall, wach zu rütteln vermag: „Unsere Nahrung unser Schicksal”. Verknüpfungen, so weit das Auge reicht.

Ich bin Hundehalter und deshalb frage ich zunächst einmal, ob es bedeutungsvoll oder schnurz-piep-egal ist, wenn wir unserer Sprache die lange Leine geben. Der Alltag steht nun mal mit dem Feinschliff auf Kriegsfuß, weshalb unsere Ausdrucksformen und Formulierungen - und auch die Suche nach Politur, nach wohlklingenden Verknüpfungen und Wortschätzungen, zwangsläufig der alltäglichen Talfahrt ausgesetzt sind.  

Nun bin ich aber wieder einmal auf einen ganz falschen Zug aufgesprungen. Eigentlich wollte ich von meinen Gedankensprüngen erzählen, die mich auch heute Abend beim Abwaschen heimsuchten und noch nie „ganz ohne” waren. Warum sollte sich daran auch etwas ändern? - Ich war also beim Abspülen und Abtrocknen. Nicht etwa nur beim Geschirrspülen. Nein, auch diesmal gab es noch andere Dinge zu säubern.

Unter anderem galt es drei Messer zu reinigen und abzutrocknen. Dabei stellte ich fest, dass sich im Messerfach, sofern sie alle sauber sind und hier liegen, exakt sieben Schneidewerkzeuge ruhen. Da ich in der Regel nach dem Gebrauch des dritten Messers abspüle und den Abwasch erledige, werden die „zu unterst” liegenden, also die kaum einmal in den Genuss des Abspülens gelangenden Messer natürlich auch nie benutzt. Das heißt: Ihre Klingen sollten eigentlich die schärfsten sein. - Also nahm ich heute die kaum Benutzten aus dem Fach, legte die gerade Abgespülten nach unten und die vermeintlich Scharfen - richtig - kamen somit oben „zu liegen”.

Als ich gerade den Stöpsel des Abspülbeckens gezogen hatte und dem Spülwasser freien Abzug gewährt hatte, als sich die lauwarme Brühe also gurgelnd in das Abflussrohr ergoss, schoss mir ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Ich dachte an den Deutschen Bundestag. - Ja, zunächst war auch bei mir Kopfschütteln angesagt, weil ich gar nicht wusste, warum sich etwas gerade beim Gurgeln und Davonmachen meiner bemächtigte und gleichzeitig darauf pochte, dass sich diese Gedanken auch entfalten sollen.  - Irgendwie konnte ich wohl gar nicht anders, wie ich mir später sagte. Ja, unser Kopf ist schon eine mächtig gewaltige Backstube.    

Also, unser Bundestag: Da gibt es die Front-Sitzenden, also die, die am häufigsten zum Rednerpult eilen. Dahinter gibt es die sich selten bewegende, bisweilen mal räuspernde Grauzone von Personen, die ihren Ansporn, auch einmal den Mund aufzumachen, wohl all den Hinterbänklern verdanken, die sie in ihrem Rücken wissen. Die Hinterbänkler sind ja die Gerade-Noch-Mitglieder des hohen Hauses. Sie machen häufig dann den Mund auf, wenn der Saal leer ist oder mit Schlafenden gefüllt ist. 

Wichtig scheinen sie trotzdem zu sein und ihr Name hat sich auch schon richtig rund geschliffen. Und zwar dermaßen stark, dass auch die Word-Rechtschreibprüfung das Wort „Hinterbänkler” sofort akzeptierte, während dieser programmierte Lektor (das ist auch toll) den Bänkler sofort rot ankreidete. Ja, Sachen gibt`s!  

Ob das für all diese Grau-Zonies ein unbehagliches Gefühl ist? - Ich begann langsam und bedächtig nachzudenken. Mir fiel auf, dass die Hinterbänkler gleichzeitig auch die sehr scharfen, kaum benutzten Messer sein können. Scharfe Klinge gleich scharfe Zunge. Jedenfalls widersprach ich diesem Gedankenblitz nicht. Wer hat in der Küche schon eine Waage für flüchtige Gedanken stehen oder bemüht ein Sieb, um die einfliegenden Einfälle beiseite zu schieben?

Vor allem: Was geschieht mit den weniger scharfen Zungen - also mit all jenen Personen, die demnach also schon von vornherein gerade mal als halbscharf einzustufen waren? Ist eine Scharf- oder Spitzzüngigkeit, um mit der Sprache der herumreisenden Messerwetzer zu reden, auch durch regelmäßiges Wetzen zu erreichen - auf Trab zu bringen?

Gerade wurde ich das Gefühl nicht los, dass es gedanklich noch nicht ganz ausgereift ist. Jetzt habe ich es aber abschütteln können. Das muss aber noch nicht viel heißen.   

© Mondreiter

“Weißt du eigentlich noch…..?”

Gewitterwolken 

„Eigentlich hatte es ja auch etwas damit zu tun, dass du dich immer zu sehr zurückgenommen hattest. Sehr oft musste ich doch wie ein Holzkäfer bohren, damit du dir überhaupt mal Luft gemacht hast und alles wieder ins Lot kommen konnte. Ich weiß, ich weiß - jeder hat seine Defizite und Marotten. - Und dann gab ich dir diesen Tipp, wie man so etwas ruckzuck ändern kann, weil Taten manchmal Worte ersetzen können. - Aus heutiger Sicht war es natürlich ein fataler Tipp. Was mich wunderte, ist, dass du dann gerade  d i e s e n  Rat befolgt hast. - Schon als ich in der Dunkelkammer war und wir uns zwangsläufig durch die Tür verständigen mussten, ich sage jetzt mal unterhalten dazu, schien es förmlich durch die Tür zu brodeln!”

„Du wusstest doch, wie sehr ich gibberig war. Ich wollte endlich dieses Foto von dem aufziehenden Gewitter in der Hand halten können und die drohenden Wolken noch etwas länger belichten, dunkler machen. Ja, das dauert natürlich seine Zeit, ich weiß. Aber denk` mal zurück, an dein Herumblättern in diesem Bildband und….,na ja, Beispiele liegen immer en masse herum, wenn man am Suchen ist, das ist ja klar! - Aber damals hatte ich auch nichts zu tun und aß Erdnüsse, während du ganz woanders….! Nun gut, es ist nicht das treffendste Beispiel, aber lassen wir es ruhig mal so stehen, weil ich nun gerade mal rede. Also, du siehst, dagegen war diese kurze Entwicklungszeit doch gar nichts. Na gut, nun beruhige dich doch, ich sagte doch gerade, dass das Beispiel nur mal schnell aus dem Köcher gezogen….wie ein Pfeil, weißt du,….da weiß man auch nie, ob man den besten erwischt. Nein, ich lache jetzt nicht über die damalige Situation, nein, bestimmt nicht. So war das nicht gemeint. - Natürlich hattest du viel Arbeit mit dem Abspülen, dem Abtrocknen und dem Ordnen der Gedanken. Als ich wieder in der Küche stand, sah ich es doch, all das saubere Geschirr, tipptopp neben der Spüle stehen. Sicher, das hattest du wieder einmal wunderbar auf Reihe bekommen.”

„Ist das nicht fabelhaft geworden, fragte ich dich. Du hattest mich nur angesehen. Und ich kannte natürlich gerade diesen besonderen, fragenden und erbosten Blick von dir sehr gut. Du hast dich aber immer fabelhaft zurückhalten können. Wie sagte ich damals immer scherzhaft: Nur Choleriker werden roher, je länger sie kochen. Ja, das sagte ich. -  Die Choleriker, du doch nicht! Komm, lass dich in den Arm nehmen, sagte ich aber auch noch - als ich an der Tür zum Flur stand. Ja, und dann kam mein fataler Tipp zum Tragen. Allerdings kam ich ja auch nur noch einen Schritt näher an dich ran, als das Gewitter sich entlud. Ja, das musst du auch mal sehen! Hättest du mir etwas mehr Zeit gegeben, wer weiß, vielleicht hätte ich noch die Notbremse ziehen können. - Fatal, dass ich dir den Tipp gegeben hatte, lieber mit Geschirr zu werfen anstatt immer nur alles in dich rein zu fressen. Aber so etwas weiß man doch immer erst hinterher, wenn alles gelaufen ist. Das haben Tipps manchmal so an sich.”

„Ja, und dann flogen die ersten Teller. Natürlich war ich geschockt…ja, auch verunsichert….dachte auch, dass es das doch gar nicht gibt….und das schöne Geschirr….eben noch gebraucht, schrankfertig gemacht und nun schon ausgedient. Auch hinter der Türfüllung sah man noch, was da angeflogen kam. Und so viel. - Aber weißt du noch, wie alles aufhörte? Ja, jedes fliegende Teil hatte ja einen Kaufpreis….und den nannte ich dir schon beim Zugreifen ganz laut….und addierte auch gleichzeitig die Preise. Natürlich grob geschätzt, ist ja klar! - Den Gesamtbetrag habe ich nie vergessen können. Als wir bei 126,80 Mark angekommen waren, hast du aufgegeben und geflennt. Und später, ja, da haben wir uns sogar noch darüber amüsieren können. Vorher hast du aber alles aufgekehrt. - Ja, das weiß ich auch noch.”

„Nein, ich habe nicht vergessen, dass du dann wieder eingekauft hast. Ja, sicher - es war von deinem Urlaubsgeld - nur von  d e i n e m . Ja, von deinem - okay, okay! Was sagst du da? Ob ich dir wegen das Ausrasters immer noch böse bin? Aber, ich bitte dich. Nein, warum sollte ich dir denn böse sein? Schau, es ist doch eine schöne Erinnerung und Spaß hatten wir auch. Ja, natürlich hast du damit ein wichtiges Zeichen…..aber klar doch.  - Ich meine ja nur, dass wir es jetzt doch ganz locker sehen können. Schließlich war die Trefferquote ja gleich Null! Ja, aber auch das gehört doch zur Erinnerung! - Na, lassen wir das!”

© Mondreiter        

Mordfall Gaucke - Zog Michael P. kranke “Arroganz” durch? Ging es um “Totale Kontrolle, Machtgefühle und Bestrafung”?

Der äußerst mysteriöse Mordfall Gaucke in Hannover wirbelte nicht nur 2006 viel Staub auf, denn die Mordopfer, Karen Gaucke und ihre Tochter Clara, wurden bisher nicht gefunden und der Indizien-„Mordprozeß ohne Leichen” gegen den Kindesvater und TUI-Controller Michael P. endete mit dessen Verurteilung.

Entscheidend für das verhängte Strafmaß gegen Michael P. war das Gutachten des Psychiaters, Prof. Joachim Zeiler, der ihn für nicht schizophren noch paranoid befand und einen Affekt ausschloß. Der Angeklagte war nach seinen Erkenntnissen für sein Handeln voll verantwortlich zu machen.

Die Täterbeschreibung, insbesondere eines der Tatmotive - nämlich die Tatsache, dass Karen Gaucke nach der Babypause beabsichtigte, wieder bei dem Konzern, also im Umfeld von Michael P. zu arbeiten, was dazu hätte führen können, dass der Täter hätte bloßgestellt werden können („So ist dieser Mann wirklich”) - hätte auch der weiteren Karriere und seinen diversen Liebschaften nicht gut getan.

Der Psychiater stufte P. bezüglich seiner Lebenserwartungen (Familie, Kinder, schönes Haus, großes Auto) als konservativ ein, im Konzern TUI bekam er (wen verwundert es) durchweg sehr gute Noten. - Andererseits sei P. privat anders aufgefallen. Der Psychiater sprach von einer narzisstischen Person, die andere Personen, vor allem Frauen, manipulieren und „lenken” wollte. Er zeigte sich charmant, hatte ein ausgeprägtes Gespür für die Sehnsüchte seiner Frauen gehabt. Absolute Treue wurde von ihm verlangt, obwohl er selbst ein Egozentriker und Frauenheld war und neben der momentanen Freundin immer gern auch eine Geliebte hatte. Prof. Zeiler resümierte: „Es mutet an, als sei P. ein Jongleur in menschlichen Beziehungen gewesen.”       

Tatsächlich keine „krankhafte Tat”?Da die Ermittlungs-Ergebnisse im Sommer 2006 natürlich nicht alle der Öffentlichkeit preisgegeben wurden (werden konnten), blieben auch allen, die sich mit dieser Tat spontan oder im nachhinein beschäftigten, natürlich diverse Kleinigkeiten verborgen, die ihnen andere „Muster” verschlossen, die andere Ansätze, weitere „Bilder” hätten ergeben können. - Hatte sich die Ermittlungskommission vielleicht zu sehr von einem angenommenen Tathergang fesseln lassen - und damit „festfahren” lassen? Es deutet vielleicht einiges darauf hin, dass Variationsmöglichkeiten bezüglich des Tatherganges und der Spuren verdeckt blieben.

Veröffentlicht wurde, dass sich in der Wohnung (Küche) von Karin Gaucke (unter der Küchenzeile) Blutspuren sichern ließen. Damals „hing” man mit der Preisgabe dieser Tatsache zeitlich ziemlich nach. Verständlich - aber: Wurden sie erst später entdeckt, weil die Tatortsicherung es zunächst nicht ergab? - Weil der Täter „grob” oder intensiv gesäubert hatte und diese Blutspuren erst nach dem Wegrücken der Möbel sichtbar wurden?

Damit erhebt sich die Frage, ob anhand dieser Spuren zweifelsfrei darauf geschlossen werden konnte, um welches Mordwerkzeug es sich letztlich handelte. Sicher: Es ist, wenn man versucht, sich in die Denkweise des Täter hinein zu versetzen, nicht entscheidend. Vielleicht wurde es im Prozess selbst auch geklärt und erschien in keinem Bericht?

Auf jeden Fall wurde zumindest eines klar: Die Ermittlungen dürften zweifwellos aber ergeben haben, welche Zeiträume sich für P. nach der Tat (bis zur Rückgabe des Leihwagens) ergeben hatten, um die Leichen abzutransportieren und für sie ein sicheres „Versteck” zu finden.

Das könnte zum springenden Punkt werden, wenn man den Täter aus einem anderen „Blickwinkel” sieht und einbezieht, dass auch andere Faktoren in seinem Denken eine andere (vielleicht sogar eine logischere) Rolle spielen - und P. deshalb mit diversen Täuschungsmanövern arbeitete, die sich zwar belastend auswirkten, die er aber in Kauf nehmen konnte und die sich für ihn selbst keineswegs als erdrückend darstellten.

Dann könnte es sogar so sein, dass sich Michael P. ständig „eins ins Fäustchen gelacht hat”, weil er aus seiner Sicht „nie wirklich überführt” wurde und deshalb auch im Prozeß immer „den Kopf oben behielt”. Sichtweise: „Wirklich überführen werdet ihr mich nie - ich lasse euch nur die Vermutung”.

Sollten sich die Ermittler im Kreis drehen und entscheidend abgelenkt werden, weil er damit immer hinsichtlich des tatsächlichen Leichenversteckes (Denkweise: „Real ist der Mord erst dann, wenn die Leichen da sind - mir kommt keiner auf die Spur - ich habe alles unter Kontrolle - ich habe die wirkliche Macht und Kontrolle auch hinter Gittern immer noch”) „außen vor” bleiben konnte? - Ich glaube daran, weil P. absolut nichts aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Der früh vorgetäuschte Selbstmordversuch spricht ebenso dafür. Das „Gefühl von Macht” kostet P. ebenfalls jetzt noch aus, weil er einem Mithäftling absichtlich Dinge „steckte” die reine Ablenkung waren.     

„Totale Kontrolle” - „Bestrafung” und das „Gefühl von Macht”Ich glaube, dass es sich erübrigt, darauf einzugehen, wie Psychologen diese Merkmale einschätzen. Für mich ist Michael P. der perfekte Typ, für den diese Attribute eine sehr große Bedeutung hatten und tagtäglich eine große Rolle spielten und weiterhin gültig bleiben - dass sie prägend für seinen Charakter und seine Handlungsweisen sind. Darauf deutet seine „Sicherheit” hin, die für ihn so etwas wie ein schützender Rollladen ist. Das bietet bleibenden Schutz vor „Verletzung” und ständige Präsenz von schillernder Arroganz. Das Jammertal tut sich erst auf, wenn er sich selbst als überführt sieht. - So gesehen, war die Vorstellung des Anwaltes der Nebenklage, P. mit der Anwesenheit der Eltern ständig zu konfrontieren und weich klopfen zu wollen, von vornherein zum Scheitern verurteilt - ja, es könnte meine Vermutungen erhärten.

Seine scheinbaren „Leichtsinnigkeiten”A:  

Leichtsinnig war sicher, dass sich der Täter im Internet umhörte, ob und wo ein Bolzen-Schußgerät zu ersteigern  war, mit dem er (zunächst?) den Mord plante. - Seine Detailplanungen und die Kaltblütigkeit sprechen eigentlich gegen die Vermutung von Oberflächlichkeit und dagegen, dass er (scheinbar) nicht gewusst haben soll, dass sich gelöschte Daten auf einem Computer bis zu einem gewissen Grad auch wiederherstellen lassen.

So etwas erfährt man doch schon in einer „Tatort”-Folge im Fernsehen. - Es ist für mich nur sehr schwer vorstellbar, dass er wirklich so unwissend war - bei seinem Beruf, seinem Umfeld, bei so viel Kalkül, bei so viel Wissen und Planungssorgfalt!!??

Aber: Was hätte er, wenn er es nur vorgetäuscht hatte, daraus überhaupt für einen Vorteil ziehen können? Die Internet-Präsenz hätte in jedem Fall ein Indiz dafür werden müssen, dass er die Tat geplant hatte. - Nahm er es wissentlich in Kauf; und wenn ja, mit welchem Hintergrund?

Vorstellbar bliebe ansonsten nur noch, dass irgendein gravierender (vielleicht nicht bekannter) Umstand den Täter zeitlich dermaßen in Zugzwang brachte, dass er mit der Tat und der Opferbeseitigung zur Improvisation gezwungen war.

B:    Bei der Anmietung des Leihwagens lasse ich das Argument des Täters, eine Probefahrt zu machen, sofort fallen. Die Anmietung selbst wurde von P. sorgfältig geplant. Es war nicht etwa die plötzlich ins Spiel gekommene Kamera beim Vermieter, der die Fahrzeugübergabe dokumentiert, die P. verunsicherte. Die telefonische Bestellung war bereits „eine Farce” und sollte „an ihn erinnern”. P. vermied es lediglich, den Kombi direkt in Hannover zu bestellen, weil sich durch eine Bestellung in Braunschweig der Eindruck erwecken ließ (was dann auch der Fall war), dass er diesen Kombi zum Leichentransport brauchte. Den Wagen brauchte er, weil er ja weitere Scheinfährten legen wollte. Das Absuchen vieler Gewässer gab ihm Recht. Die wenigen Fahrkilometer (unter 100 km) sollten darauf hinweisen, dass P. kein großen Radius gegeben war, um die Leichen verschwinden zu lassen.

Ich meine, dass in diesem Leihwagen die Leichen (durch Sicherstellung der Blutspuren bewiesen - vom Täter vielleicht sogar selbst gelegt?) kurzzeitig lagen, dass der Wagen von ihm aber garantiert nicht zum Endtransport benutzt wurde. Höchstens dafür, am Tatort selbst ein Fahrzeug zu haben, das nicht auf ihn als Anwesenden in der Strasse, vor dem Haus, aufmerksam machen sollte und was ihn empfindlich beim Abtransport hätte stören können.

Komme ich auf die Argumente „Totale Kontrolle”, „Machtgefühl” usw. zurück, dann war das Auswählen eines Leichenversteckes etwas, was mit diesen Attributen zu tun hatte - was er für sein „Hohes Podest” seiner Person unbedingt weiter benötigt - was eine tiefe Befriedigung auch garantiert und erhält.

Hätte er sich eingeschränkt Mittwissende leisten können - durch starke Abhängigkeit - Unterwürfigkeit oder Hörigkeit - durch eine andere Verbundenheit gar? - Es scheint ausgeschlossen, aber was ist unmöglich?

Welche Zeitfenster hatte P. zur Verfügung, in der fraglichen Zeit, um welche Strecken zurücklegen zu können? Gehe ich von den genannten Merkmalen seiner „Machtdemonstrationen” aus, kämen als mögliche Leichenverstecke Orte in Frage, die P. selbst (vielleicht schon seit der Jugend) viel bedeuteten, die er genauestens kennt, wo er sich zu Hause fühlte und die auf ihn eine besonderer Anziehungskraft ausübten - wo er immer auftanken kann - auch später noch. - Vielleicht nahe bei seinen Eltern? Waren sie in der Zeit überhaupt daheim? Hätte er in diesem Gebiet auftauchen können?

Michael P. wird seinen hohen Sockel, das scheint mir klar, niemals aufgeben. Und die „gut aufgehobenen” Leichen könnten dazu gehören. Werden sie gefunden, erst dann wird er sicher wirklich am Boden zerstört sein.

© Mondreiter